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Richmodishaus

Historische Ansichtskarte: Haus der Richmodis von Aducht, 1913
Richmodishaus, 2020 © LiK-Archiv

Das Gebäude greift mit den beiden Pferde-Skulpturen die Geschichte des Kölner Patriziers Mengis von Aducht und seiner Ehefrau Richmodis auf, deren Haus »Zum Papagei« am Neumarkt 6, Ecke Olivengasse stand. Als die Pest im 14. Jahrhundert in Köln wütete, wurde auch Richmodis von ihr heimgesucht und nach ihrem scheinbaren Ableben auf dem Friedhof von St. Aposteln, der damals in unmittelbarer Nähe der Basilika lag, beigesetzt. Grabschänder erhofften sich reiche Beute und hoben die Grabplatte an, die Scheintote erwachte, stieg aus ihrem Grab und ging zu ihrem Wohnhaus zurück. Als ihr Ehemann Mengis seine Frau, die am Tor um Einlass bat, sah, soll er ausgerufen haben, dass eher seine Pferde die Treppe heraufliefen, als dass seine Gattin von den Toten auferstanden sei. Kaum ausgesprochen, rissen sich die Pferde im Stall los und galoppierten die Turmtreppe hinauf, so berichtet es die Sage.

Das heutige Richmodishaus wurde 1928/29 nach Plänen des Architekten Paul Bonatz (1877-1956) als Büro- und Geschäftshaus gebaut. Das Gebäude lässt durch seine gotische Anmutung deutliche Bezüge zu den historischen Vorgängerbauten erkennen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus nebst Turm fast vollständig zerstört, dabei verbrannten auch die von dem Kölner Bildhauer Christoph Stephan (1797-1864) gestalteten hölzernen Pferdeköpfe am Wendeltreppenturm. 1958 wurden die Köpfe von dem Bildhauer Wilhelm Müller-Maus neugestaltet.

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

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George Orwell: Chaos in Köln

George Orwell, um 1940 © Cassowary Colorizations, George Orwell, c. 1940, CC BY 2.0

Der englische Schriftsteller George Orwell (1903–1950), der vor allem durch die Fabel Animal Farm (1945) und seinen dystopischen Roman Nineteen Eighty-Four (1949) einem größeren Publikum bekannt wurde, hielt sich im März 1945 für kurze Zeit in Köln auf. Im Auftrag der britischen Wochenzeitung The Observer schrieb Orwell Reportagen aus dem befreiten Frankreich und dem besetzten Deutschland.

Als die Amerikaner am 5.3.1945 mit Köln die erste Großstadt des Landes eroberten, fanden sie eine zerstörte entvölkerte Stadt vor. Journalisten wie Janet Flanner, Stephen Spender und George Orwell berichteten ihren Landsleuten von den aktuellen Geschehnissen und ihren Eindrücken am Rhein. Am 15.3.1945 reiste Orwell zuerst nach Paris und eine Woche später nach Köln. Unter dem Titel Creating Order out of Cologne Chaos erschien am 24.3.1945 Orwells Berichterstattung im Observer. – Wenige Tage später musste der Autor auf Grund seines desolaten gesundheitlichen Zustandes mit einer Lungenentzündung in einem Kölner Krankenhaus stationär aufgenommen werden. In dieser Zeit erhielt er die Nachricht vom plötzlichen Tod seiner Ehefrau Eileen, woraufhin Orwell Köln verließ und nach England zurückkehrte, leider zu spät, um noch an der Beisetzung seiner Frau teilzunehmen. – In seiner Reportage beschrieb der Kriegskorrespondent das Ausmaß der zerstörten Rheinmetropole:

Der ganze Kern der Innenstadt, einst berühmt wegen seiner romanischen Kirchen und seiner Museen, ist ein einziges Chaos: zerklüftete Mauern, umgestürzte Straßenbahnwagen, zerschossene Denkmäler und gewaltige Schuttberge, aus denen Eisenträger wie Rhabarberstangen hervorragen.

George Orwell

Orwell sah das ehemalige »Herrenvolk« auf der Suche nach Trinkwasser mit Fahrrädern durch die Trümmer von Köln fahren. »Es ist schwer vorstellbar, daß es sich um die gleichen Menschen handelt, die gerade noch den europäischen Kontinent« beherrschten, konstatierte er. »Die Propaganda, vor allem ihre eigene, hat uns glauben gemacht, daß sie alle hochgewachsen, blond und arrogant seien. Was man in Köln jedoch tatsächlich sieht, das sind eher gedrungene, dunkelhaarige Menschen, offensichtlich demselben Schlag zugehörig wie die Belgier jenseits der Grenze. Jedenfalls sind sie keineswegs besonders auffällig.« Der Autor lobte die zupackende Art der amerikanischen Besatzer, die versuchten möglichst schnell mit den Aufräumarbeiten zu beginnen: Bulldozer schaufelten die mit Schutt bedeckten Straßen frei, eine primitive Wasserversorgung mittels Pferdewagen wurde organisiert, die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung wieder hergestellt und Entnazifizierungsprogramme durchgeführt.

Historische Ansichtskarte: Allianzgebäude Köln, 1950er Jahre

Im Allianzgebäude am Kaiser-Wilhelm-Ring (eines der wenigen unbeschädigten Verwaltungsgebäude in der Stadt) wurde von der Militärregierung die städtische Verwaltung, der Stadtrat und das britische Militärgericht eingerichtet. Orwell nahm an der ersten Verhandlung teil, bei dem ein »junger, unappetitlich aussehender Nazi, einer der Führer der Kölner Hitler-Jugend«, vor Gericht stand. Aber keineswegs »weil er dieser Organisation angehört hatte – die Militärregierung ließ bekanntgeben, dass die Zugehörigkeit zu einer Nazi-Organisation allein noch kein Vergehen darstelle –, sondern wegen der Verheimlichung seiner Mitgliedschaft und wegen des Versuchs, die Mitgliederliste der HJ vor den amerikanischen Behörden zu verbergen.« Der Angeklagte wird zu einer siebenjährigen Haft und einer Geldstrafe von 10.000 Mark verurteilt. Das Urteil erscheint dem Prozessbeobachter als ziemlich streng, aber gerecht, denn »er war ganz offensichtlich schuldig, und die Fairness des gesamten Gerichtsverfahrens war derart beeindruckend, daß selbst der deutsche Verteidiger anerkennende Worte fand.«

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

Literatur

Siehe: Orwell: Creating.

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Wohnort von Anne Dorn

Weißenburgstraße

Anne Dorn kam 1969 nach der Trennung von ihrem zweiten Ehemann mit vier Kindern von Kleve nach Köln. Zuerst wohnte sie am Fröbelplatz 9. Ins Agnesviertel, Weißenburgstraße 19, zog die Familie dann 1972. Dorn wohnte hier bis zu ihrem Tod im Jahr 2017. Ihre erste Erzählung Die Familie erschien 1967 in der von Dieter Wellershoff herausgegebenen Anthologie Wochenende. Sechs Autoren variieren ein Thema. Die Anfänge in Köln waren für die angehende Autorin und alleinerziehende Mutter nicht einfach.

Als ich nach Köln kam, hatte ich hier weder Freunde noch Bekannte. Auch meine Arbeit als ›freie‹ Schriftstellerin bedeutete eher, daß ich vogelfrei und allein war, als daß ich ein ›freies Leben‹ hätte führen können.

Anne Dorn

Dorn schlug sich mit Jobs beim Hörfunk durch, verfasste gesellschaftskritische Features, es entstanden die ersten Autorenfilme für den WDR, in denen sie auch Regie führte. Dorn eroberte sich die Stadt, knüpft Kontakte und versucht heimisch zu werden. »Zunächst habe ich das getan, was nur ein Fremder in Köln tut, ich habe mir Köln angeschaut.« Auch wenn Köln nie ihre sächsische Heimat ersetzen konnte, so fand sie am Rhein doch ein neues Zuhause. Sie war befreundet mit Heinrich Böll, der sie auch finanziell unterstützte, mit Dorothee Sölle und Lew Kopelew.
In Dorns Gedichten und Prosatexten finden sich immer wieder Bezüge zu ihrer Wohnung in der Weißenburgstraße und zum Agnesviertel. Der Autorenfilm Eines Tages brachte ich meinen Sohn zum reden wurde 1973 teilweise ihrer Wohnung gedreht. 1974 erschien Gedanken zur Grosstadt, ein kurzer stimmungsvoller Text über Köln, ferner schrieb sie über die Romanischen Kirchen St. Gereon und St. Andreas.

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

Literatur

Siehe: Dorn: Autobiographischer Text

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Wohnort von Vilma Sturm

Merlostraße

Vilma Sturm in ihrem Arbeitszimmer in der Merlostraße © LiK-Archiv

Vilma Sturm beschrieb in dem Erinnerungsband Barfuß auf Asphalt ihren Wohnortwechsel von Königsstein i. T. nach Köln. 1954 erhielt sie eine Anfrage von Pater Rainulf Schmücker, Chefredakteur und Leiter des 1953 in Köln gegründeten »Katholischen Rundfunk-Instituts« (ab 1973 »Katholisches Institut für Medieninformation«). Er bat sie um Mitarbeit an der Redaktion der »FUNK-Korrespondenz«, ferner bot er ihr die Möglichkeit, Hörspiele und Features mit religiösen Inhalten und Morgenandachten für den Kirchenfunk zu schreiben. Rückblickend schrieb Sturm, dass die Hörspiele Gelegenheitsarbeiten waren, »Lückenbüßer, vielfach dramatisierte religiöse Erzählungen und Romane, nicht der Rede wert. Eher die Morgenandachten; sie brachten mir so viel Hörerpost ein, wie ich sie auch nach den erfolgreichsten Zeitungsbeiträgen nicht bekommen habe. Ich hatte keinen Augenblick die Vorstellung gehabt, die Arbeit im Institut würde mir angenehm sein. Sie bedeutete: in der Stadt wohnen, täglichen Dienst im Büro, Beschäftigung mit einem Stoff, der mich kaum interessierte, der mir fremd war, gegen den ich Widerstand spürte. Aber die Aussicht auf ein normales, festes, mich aller Existenzsorgen enthebendes Gehalt war verführerisch.«
Schmücker besorgte ihr nicht nur eine Stelle, die den Lebensunterhalt der alleinerziehenden Mutter einer Tochter sicherte, sondern auch noch eine Wohnung im Agnesviertel, Merlostraße 22, in der Sturm dann 30 Jahre lang lebte.

Diese so bescheidene Wohnung in Köln, zwei Zimmer, Küche, Diele, Bad, ohne Garten, ohne Balkon, mit Ofenheizung, erfüllte langgehegte Wünsche. Nach zehn Jahren wieder ein Badezimmer! Ich badete unablässig, unablässig durchmaß ich die Räume und konnte es nicht fassen, daß ich darüber die Herrin sein sollte. Mächtige Lindenbäume standen vor dem Fenster und schickten grünes Licht in das Wohnzimmer. Heute sind ihre Reihen gelichtet, früh werfen sie ihr Laub ab, stehen im September schon kahl, krank, leidend, ihre Todesstunde ist nahe. . .
Die Wohnung wurde mit dem Vorhandenen eingerichtet, das Schlafzimmer mit diesen kastenartigen Möbeln aus Rüsterholz, die jetzt niemand mehr leiden mag; der Wohnraum mit den alten Bücherregalen aus dem Elternhaus, Couch, Sesselchen und Nierentisch. Nur wenig habe ich im Lauf der nächsten fünfundzwanzig Jähre dazugekauft, nur weniges ausgewechselt – zuerst natürlich den Nierentisch -, einige alte Stücke geerbt. Es ist peinlich alles vermieden, was aufs Prächtige hinzielen könnte. Wertvoll sind, außer der Truhe, dem Glasschrank und dem Hausaltar, nur die Bilder: die expressionistische Graphik, die ich vom Vater bekam, ein schönes Blatt von Otto Mueller, außerdem Heckel, Kirchner, Schmitt-Rottluff und Nauen, dazu ein Grieshaber, den Heinrich Böll mir zum Geschenk machte. Die Wohnung hatte von Anfang an etwas Karges und Strenges – ich hatte leere Wände gern.

Vilma Sturm, Barfuß auf Asphalt

Vilma Sturm bereute den Umzug nach Köln in keiner Weise, im Gegenteil, hier bekam sie Kontakt zu verschiedenen politischen Gruppierungen und stellte sich, nach eigenem Bekunden, den Herausforderungen der Zeit: Sie schrieb und demonstrierte gegen den Vietnamkrieg, setzte sich für Fürsorgezöglinge, Obdachlose und Haftentlassene ein und gehörte zu den Mitbegründern des »Politischen Nachtgebets«. Wichtig waren für Sturm vor allem die persönlichen Begegnungen und die daraus entstandenen Freundschaften mit politischen Weggefährten, zu denen u.a. Dorothee Sölle und Heinrich Böll zählten.

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

Literatur

Siehe: Sturm: Barfuß.

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Bahnhof Ehrenfeld

John Iven u. Ron Voigt: Günter Wallraff, Graffiti, Köln 2018 © Foto: LiK-Archiv

Die Graffitikünstler John Iven und Ron Voigt, die bereits im Ehrenfelder Bahnhofsumfeld und an anderen Orten in der Stadt Streetart-Projekte verwirklichen konnten, haben im Auftrag der Deutschen Bahn AG zwei Zugangstunnel zu den Bahnsteigen neu gestaltet. Die Graffitis der Wände und Decken sind dem Inneren einer alten Fabrik nachempfunden, eine Reminiszenz an die Ehrenfelder Industriegeschichte mit ihren Walzwerken, Farbenfabriken und den Leuchtmittel-Produktionsstätten von »Helios«. Auf den Seitenwänden der Bahnhofszugänge thronen Portraits der Ehrenfelder Lokalgrößen Rolly Brings und Günter Wallraff, die beide eng mit dem Stadtteil verbunden sind. Ein Zitat aus dem Ehrenfeld-Lied von Brings sowie Wallraffs Kernaussage »Öffentlichkeit ist der Sauerstoff der Demokratie« zieren ebenso die Wandflächen.

Ihrefeld, du rusjeputz Madamm.

Ahl Mädche, wat es an dir nor dran?

Du rüchs noh Bier un Auspuff, noh Fritte un Kebab:

 Ihrefeld, du häs mi Hätz jeschnapp.

Rolly Brings

Für Brings ist Ehrenfeld die Heimat seiner Kindheit, hier lebte er bis in die 1970er Jahre. In den Kriegstrümmern von St. Anna hat er gespielt und im Kino am Lenauplatz, das 1960 in einen Supermarkt umgewandelt wurde, die ersten Abenteuerfilme gesehen.

John Iven u. Ron Voigt: Rolly Brings, Graffiti, Köln 2018 © Foto: LiK-Archiv

Auch Günter Wallraff ist ein bekennender Ehrenfelder, seit 1967 lebt der Journalist im Haus seiner Großeltern, unweit der Zentralmoschee. Gebaut wurde das Haus 1875, heute steht es unter Denkmalschutz. Hier bot Wallraff u. a. Wolf Biermann nach seiner Ausbürgerung aus der DDR und dem britischen Schriftstellerkollegen Salman Rushdie nach der Todesdrohung der iranischen Fatwa Zuflucht an.

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

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Albertus-Magnus-Denkmal

Die Aufstellung eines Denkmals des berühmten Theologen, Gelehrten und Philosophen Albertus Magnus in Köln, war bereits 1928/29 Bestandteil bei den Planungen für einen Neubau der Universität am heutigen Standort. Durch die Vermittlung des Kölner Stadtverordneten und Kunstmäzen Josef Haubrich erhielt der Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) von der Stadt Köln den Auftrag, dem Gelehrten Albertus Magnus in der Stadt, in der er die längste Zeit seines Lebens wirkte, ein Denkmal zu setzen. Die Errichtung erfolgte 1956.

Den Kölnern gilt Albertus Magnus, dessen berühmtester Schüler Thomas von Aquin (um 1225–1274) war, als einer der großen Bürger des Mittelalters und geistiger Vater der 1388 gegründeten Universität. Die fast drei Meter hohe Bronzeskulptur zeigt in seiner einfachen und verständlichen Bildsprache einen Gelehrten, einen Mann der Wissenschaft in zeitloser Haltung, in Harmonie von Körper und Geist. Abgüsse des Kölner Denkmals stehen vor der Universität in Bogotá in Kolumbien und vor der Universität in Houston/Texas. – Die Skulptur dient heute nicht nur als markanter Treffpunkt bei den Studierenden, sondern sie findet sich auch in literarischen Texten u. a. von Rolly Brings und Joachim Rönneper wieder. 1853 fand Albertus Magnus Aufnahme in das Deutsche Sagenbuch von Ludwig Bechstein.

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

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Heinzelmännchen-Brunnen

Der Heinzelmännchenbrunnen erinnert in seiner narrativen Ausführung an die Geschichte über die Kölner Wichtelmänner und deren Schicksal. Große Berühmtheit erlangten die Heinzelmännchen durch die Ballade Die Heinzelmännchen zu Cölln, 1836, des schlesischen Dichters August Kopisch (1799–1853), die sie weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt machte. Eine erste Überlieferung der Erzählung erschien bereits 1826 durch den Kölner Schriftsteller Ernst Weyden.

Heinzelmännchenbrunnen, historische Ansichtskarte

Im Auftrag des »Cölner Verschönerungsvereins«, der den Brunnen zum 100. Geburtstag August Kopischs stiftete, wurde er 1899 von dem Dombildhauer Edmund Renard (1830–1905) und seinem Sohn, dem Architekten Heinrich Renard (1868–1928), im neugotischen Stil gestaltet und errichtet. Im Vergleich zu großen Teilen des Kölner Stadtgebiets überstand der Heinzelmännchenbrunnen den Zweiten Weltkrieg weitestgehend unbeschadet. Die Originalfigur der Schneidersfrau, die oben auf dem Brunnen steht und mit einer Laterne in der Hand auf die zu beiden Seiten heruntergestürzten Heinzelmännchen leuchtet, befindet sich heute im Kölnischen Stadtmuseum. Auf den seitlich angebrachten Reliefs (die Originale befinden sich ebenfalls im Stadtmuseum) wurden Textauszüge aus Kopischs Ballade verwendet, sie bilden den erzählerischen Rahmen für die sonst bildliche Darstellung am Brunnen. – In der Nähe des Takuplatzes in Neuehrenfeld erinnert noch der Heinzelmännchenweg an die Kölner Sage.

Dieter Wellershoff griff in Pan und die Engel die Geschichte von den Heinzelmännern auf und setzte sich auch bildkünstlerisch mit dem Thema auseinander. In einer Textminiatur würdigte Hans Bender die Brunnengestaltung und die gelungene architektonische Umsetzung des literarischen Stoffes:

»Der Heinzelmannbrunnen, seine Architektur und Skulptur, bezeugen nicht nur die handwerkliche Sorgfalt von Vater und Sohn Renard; auch ihre phantasievolle Kunst und echte Liebe zum lokalen Thema. Sie schufen ein anmutiges Werk im Stil der Neogotik mit den Qualitäten eines Denkmals, das zum Verweilen und Betrachten auffordert. Eine Ballade aus Stein, die den Kölnern etwas bedeutet, aber auch den Fremden, die vorbeikommen, etwas erzählt von der Sehnsucht der Menschen nach unsichtbaren Helfern. Von der Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, die schöner und geruhsamer gewesen sein sollen als die hektische Gegenwart.«

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

Literatur

Siehe: Bender: › Wie war zu Cölln …‹, S. 69; Wellershoff: Pan.

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Museum für Ostasiatische Kunst

1913 wurde das Museum für Ostasiatische Kunst als erstes Spezialmuseum seiner Art in Europa eröffnet. Es beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen von Kunst aus China, Korea und Japan in der Bundesrepublik. Das Museum befindet sich heute in der Universitätsstraße 100. Der Neubau wurde 1977 nach den Plänen des Japaners Kunio Maekawa am heutigen Standort eröffnet. Das Zentrum der Anlage bildet ein kleiner Landschaftsgarten, der in der Tradition japanischer Meditationsgärten von Masayuki Nagare gestaltet wurde. Diese Symbiose von japanischer Architektur und Gartenkunst in Verbindung mit der Präsentation ostasiatischer Kunst machen das Kölner Museum zu einem markanten unverwechselbaren Ort.

Für Dieter Wellershoff war das Museum für Ostasiatische Kunst eines der schönsten Museen Kölns, nicht nur wegen der herausragenden außergewöhnlichen Sammlung, sondern vor allem auch wegen der markanten Architektur und der Einbindung in die Parkanlagen des inneren Grüngürtels. Mit seiner strengen Gliederung und Struktur des Gebäudes griff der Architekt Maekawa auf alte japanische Kulturtraditionen zurück und entwickelte zugleich eine aparte moderne Formensprache. Die Außenmauern des Gebäudes sind durch Glasfronten und Fenster durchbrochen. Hier öffnet und erweitert sich der Raum durch das Wechselspiel von Innen und Außen, das auch für Wellershoff von besonderem Reiz war:  

Museum für Ostasiatische Kunst, 2020. Ansicht von Südosten mit Aachener Weiher © LiK-Archiv Köln

»Mit der Wasserfläche des Weihers und der umgebenden Hügellandschaft des Inneren Grüngürtels rückt die Natur dicht an das Museum heran und wird durch Fenster und Glasfronten in den Innenraum einbezogen. Im innersten Innenraum, dem von Glaswänden umschlossenen Atrium des Museums, erscheint sie noch einmal als stilisiertes Idealbild in dem japanischen Garten, der dort mit sorgfältig ausgewählten und eigens aus Japan eingeflogenen Felsbrocken und Pflanzen von dem japanischen Gartenkünstler und Bildhauer Masayuki Nagare gestaltet worden ist. Wenn ich ins Museum komme, nur um Tee zu trinken und anschließend spazierenzugehen – den japanischen Garten schaue ich mir immer an.«

Anna Seghers, um 1922 © Privatarchiv Anne Radvanyi

Die Schriftstellerin Anna Seghers (1900–1983) studierte von 1921 bis 1922 Kunstgeschichte und Sinologie an der Universität Köln und absolvierte ein Praktikum im Museum für Ostasiatische Kunst, das damals im alten Gebäude des Kunstgewerbemuseums am Hansaring 32 untergebracht war. Ein Foto, das vermutlich während ihrer Kölner Studienzeit aufgenommen wurde, zeigt die Autorin in einem chinesischen Hofbeamtengewand. Einzelheiten über ihre desolate Wohnsituation in Köln beschrieb Seghers in ihren Erinnerungen an Philipp Schaeffer: »Es war schwer gewesen, ein Zimmer zu finden, ich nahm, was ich fand, obwohl es dunkel und schmutzig war […] die Wohnung wimmelte von Mäusen.« In Köln entstanden für Seghers lebenslange Freundschaften u. a. mit Irene With (1890–1966), Ehefrau des Kölner Kunsthistorikers Karl With (1891–1980). – Die Zerstörung Kölns in der Nacht zum 1. Juni 1942 durch Brandbomben der Royal Air Force, nahm Anna Seghers zum Anlass, einen Essay über die historische Bedeutung der Stadt sowie die politischen Konstellationen mit besonderem Augenmerk auf die Kölner Arbeiterschaft zu schreiben. Unter dem Titel Köln erschien der Text bereits in der Juni-Ausgabe 1942 in der von Seghers und Ludwig Renn herausgegebenen Exilzeitschrift »Freies Deutschland« in Mexiko.

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

Literatur

Siehe: Wellershoff: Pan, S. 172ff.; Seghers: Erinnerungen.

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Wohnort von Ernst Weyden

Langgasse (heute Neven-DuMont-Straße)

Der Kölner Pädagoge und Schriftsteller Ernst Weyden wurde vor allem durch seine landeskundlichen und lokalhistorischen Schriften bekannt. Auch als Kunstkritiker machte sich Weyden einen Namen, seine Artikel erschienen größtenteils in der »Kölnischen Zeitung«. Er wohnte in der Langgasse 2c, die sich in unmittelbarer Nähe des Verlagsgebäudes der »Kölnischen Zeitung« befand. Die frühere Langgasse trägt seit November 1976 den Namen Neven-DuMont-Straße. Der Anlass für die Umbenennung war das 100-jährige Firmenjubiläum des Verlags, die Stadt Köln ehrte damit die seit dem 18. Jahrhundert in Köln ansässige Verlegerdynastie.

In Weydens Werk Cöln’s Vorzeit. Geschichten, Legenden und Sagen Cöln’s erschien 1826 erstmals die Geschichte von den Kölner Heinzelmännchen nach mündlicher Überlieferung in Schriftform. Die Sage von den kleinwüchsigen fleißigen Helfern, die über Nacht den Kölner Handwerkern lästige Arbeiten abnahmen, war bereits im 18. Jahrhundert in der Rheingegend bekannt. Eine große Verbreitung fand die Erzählung jedoch erst ab 1836 durch die Ballade Die Heinzelmännchen zu Cölln des gebürtigen Breslauer Dichters und Malers August Kopisch (1799–1853). – Im Stadtbezirk Köln-Porz wurde eine Straße nach Ernst Weyden benannt. Ein Brunnen in der Kölner Innenstadt erinnert an die Heinzelmännchen-Sage.

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Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

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Wohnorte von Heinrich Böll

Kleingedankstraße

Kleingedankstraße, historische Aufnahme © Foto Erbengemeinschaft Heinrich Böll

In der Kleingedankstraße 20 lag die erste gemeinsame Wohnung von Annemarie und Heinrich Böll, die sie nach ihrer Trauung am 6.3.1942 bezogen. Beim ersten Luftangriff auf Köln, in der »Nacht der Tausend Bomber« am 30.5.1942 durch die brit. Royal Air Force, wurde auch die Wohnstätte der Bölls zerstört. Heinrich Böll, der als Soldat in Frankreich stationiert war, erhielt daraufhin vom 19.6.1942 bis zum 21.6.1942 »Sonderurlaub für Bombengeschädigte«. Annemarie Böll zog für kurze Zeit zu Bölls Eltern in die Wohnung am Karolingerring 17.

Die Wohnung in der Kleingedankstraße, die Heinrich Böll nach eigener Aussage wegen seines Militäreinsatzes nie bewohnte, lag direkt am Volksgarten in einer Wohngegend, die bereits um 1900 sehr beliebt war. Hohe Räume mit Stuckdecken waren kennzeichnend für die Gründerzeithäuser in diesem Wohngebiet. Böll erwähnte zwar das schöne Mobiliar über das die Wohnung verfügte, der wichtigste Einrichtungsgegenstand war für ihn jedoch ein Telefon, das ihm den Kontakt zu seiner Frau ermöglichte: »Ich habe also nie in der Wohnung gewohnt, aber oft dort angerufen, um wenigstens die Stimme zu hören, über verbotene Leitungen, die ich durch Überredung oder Bestechung öffnete«. Ein Telegramm von seiner Frau informierte ihn über die Zerstörung der Wohnung durch eine Brandbombe, Annemarie Böll blieb glücklicherweise unverletzt. –

In einer biographischen Notiz von 1956 erwähnte Böll, dass bei dem Bombenangriff im Mai 1942 seine Manuskripte, Gedichte, Erzählungen und ein Roman, verbrannten, »und das ist der einzige Verlust, den ich nicht bedaure«. Wie viele und welche Manuskripte Bölls bei der Zerstörung der Wohnung vernichtet wurden, lässt sich nicht eruieren.

GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

Literatur

Siehe: Böll: An einen Bischof …; Böll: Biographische Notiz