Autorinnen und Autoren

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Albertus Magnus

Albertus Magnus, Fresko (1352) in Treviso, Italien

Albertus Magnus (eigentlich Albert Graf von Bollstaedt), Theologe, Philosoph und Naturforscher, geb. um 1193 in Lauingen an der Donau, gest. 1280 in Köln, 1931 heiliggesprochen. – Studium der Freien Künste in Padua, 1223 Eintritt in den Dominikanerorden. Das Noviziat und die theologische Ausbildung absolvierte er in Köln. 1244/45 Promotion in Paris zum Magister der Theologie. 1248 kehrte Albert in Begleitung seines Schülers Thomas von Aquin (um 1225–1274) in seinen Heimatkonvent nach Köln mit dem Auftrag zurück, hier das Studium generale der Dominikaner, die erste Hochschule Deutschlands und Vorläuferin der Kölner Universität, einzurichten und zu leiten. Seine Schriften spiegeln die universale Bildung des mittelalterlichen Scholastikers wider, er forschte in allen Bereichen der Naturwissenschaft und Philosophie. In Köln schrieb er die meisten seiner zahlreichen Werke. 1280 starb Albert im Kölner Dominikanerkonvent in der Stolkgasse und wurde in der Klosterkirche Heilig Kreuz begraben. Im Zuge der Säkularisation wurde die Kirche 1802 geschlossen und 1804 abgerissen. Der Reliquienschrein Alberts konnte in die Dominikanerkirche St. Andreas an der Komödienstraße überführt werden. – Ein Denkmal auf dem Albertus-Magnus-Platz, die Kirche St. Albertus Magnus in Lindenthal sowie das Albertus-Magnus-Gymnasium in Ehrenfeld erinnern an den Kölner Universalgelehrten. Eine Statue von ihm befindet sich auf dem Kölner Rathausturm, sie schuf der Bildhauer Titus Reinarz.

Ausführliche Biografie von Albertus Magnus

Becker, Jürgen

Jürgen Becker, 2012 © Stadt Köln

Jürgen Becker, Schriftsteller, Lyriker und Hörspielautor, geb. am 10.7.1939 in Köln. – Verbrachte seine Kinder- und Jugendzeit zunächst in Erfurt/Thüringen, dann in Osterwieck/Harz und Waldbröl, bevor er 1950 wieder in seine Heimatstadt zurückkehrte. Nach einem kurzzeitig aufgenommenen Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte (1953-1954), dessen Abbruch einige Jahre mit wechselnden Tätigkeiten als Arbeiter und Angestellter, Werbeassistent und Journalist folgten, wurde er 1959 Mitarbeiter des »Westdeutschen Rundfunks« in Köln. 1964 übersiedelte Becker nach Hamburg und übernahm dort über einen Zeitraum von zwei Jahren eine Lektoratsstelle beim Rowohlt Verlag. Nach einem ebenfalls zweijährigen Aufenthalt in der Villa Massimo/Rom und erneuter Rückkehr nach Köln, wurde Becker 1973 Leiter des Suhrkamp-Theater-Verlags in Frankfurt/M. Bereits ein Jahr später kehrte er jedoch nach Köln zurück und übernahm die Leitung der Hörspielredaktion des »Deutschlandfunks« (bis 1994). Für sein literarisches Werk wurde Becker mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Preis der Gruppe 47, 1967; Literaturpreis der Stadt Köln, 1968; Bremer Literaturpreis, 1987; Peter-Huchel-Preis, 1994; Heinrich-Böll-Preis, 1995; Rheinischer Literaturpreis Siegburg, 1998; Uwe-Johnson-Preis, 2001; Hermann-Lenz-Preis, 2006; Schiller-Ring der Deutschen Schillerstiftung, 2009; Thüringer Literaturpreis, 2011; Günter-Eich-Preis, 2013; Georg-Büchner-Preis, 2014.

Werke

(Auswahl): Felder, 1964; Ränder, 1968; Bilder, Häuser, Hausfreunde. Hörspiele, 1969; Umgebungen, 1970; Eine Zeit ohne Wörter, 1971; Schnee. Gedichte, 1971; Das Ende der Landschaftsmalerei. Gedichte, 1974; Erzähl mir nichts vom Krieg. Gedichte, 1977; In der verbleibenden Zeit. Gedichte, 1979; Erzählen bis Ostende, 1981; Odenthals Küste. Gedichte, 1986; Das Gedicht von der wiedervereinigten Landschaft, 1988; Das englische Fenster. Gedichte, 1990; Beispielsweise am Wannsee. Ausgewählte Gedichte, 1992; Foxtrott im Erfurter Stadion. Gedichte, 1993; Der fehlende Rest. Erzählung, 1997; Journal der Wiederholungen. Gedichte, 1999; Aus der Geschichte der Trennungen. Roman, 1999; Schnee in den Ardennen. Journalroman, 2003; Die folgenden Seiten 2006; Dorfrand mit Tankstelle. Gedichte, 2007; Im Radio das Meer. Journalsätze, 2009; Jetzt die Gegend damals. Journalroman, 2015; Graugänse über Toronto. Journalgedicht, 2017; Lokalseiten, 2017; Gelegenheiten. Aufsätze und Gespräche, Reden und Rezensionen, 2018.

Bender, Hans

Hans Bender © Hans-Georg Schwark

Hans Bender, Schriftsteller, Herausgeber und Lyriker, geb. am 1.7.1919 in Mühlhausen im Kraichgau, gest. am 28.5.2015 in Köln – Nach dem Abitur (1939) studierte Bender Germanistik, Publizistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Erlangen; von 1940 bis 1945 war er Soldat. Nach seiner Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft und Wiederaufnahme des Studiums in Heidelberg (1949-1959), wurde Bender 1954, zunächst mit Walter Höllerer, Herausgeber der renommierten Literaturzeitschrift »Akzente«, später der Zeitschrift »Literatur im technischen Zeitalter«. In Köln, wo er sich 1959 niedergelassen hatte, arbeitete Bender bis 1962 als Feuilletonredakteur und Feuilletonleiter der »Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung« sowie von 1962 bis 1964 als Chefredakteur der Zeitschrift »magnum«. Neben seiner Herausgebertätigkeit schrieb Bender Romane, Kurzgeschichten und Gedichte. – Zu den zahlreichen Preisen und Ehrungen, die Bender für sein schriftstellerisches Werk erhielt, gehören u. a. der Kurzgeschichtenpreis der »Süddeutschen Zeitung«, 1957, der Förderpreis des Kulturkreises im Bund der deutschen Industrie, 1961, der Premio Calabria, 1973, sowie 1979 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Darüber hinaus wurde Bender 1986 mit der Ehrendoktorwürde der Universität zu Köln ausgezeichnet, 1988 mit dem Staatspreis für Literatur des Landes Rheinland-Pfalz, 1996 folgte die Verleihung des Professorentitels durch das Land NRW, 2000 der Kulturpreis der Stadt Köln sowie 2006 die Christian Ferber-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung.

Werke

(Auswahl): Fremde soll vorüber sein. Gedichte, 1951; Die Hostie. Erzählungen, 1953; Eine Sache wie die Liebe. Roman, 1954; Der Brotholer. Erzählung, 1957; Lyrische Biographie. Gedichte, 1957; Wölfe und Tauben. Erzählungen, 1957; Wunschkost. Roman, 1959; Das wiegende Haus. Erzählungen, 1961; Die Wölfe kommen zurück. Kurzgeschichten, 1965; Programm und Prosa der jungen deutschen Schriftsteller, 1967; Worte, Bilder, Menschen. Roman, 1969; Aufzeichnungen einiger Tage, 1971; Postkarten aus Rom. Autobiographische Texte, 1989; Die Orte, die Stunden 1992; Hier bleiben wir 1992; Ich schreibe kurz. Aufzeichnungen, 1995; Geschichten aus dem Kraichgau. Erzählungen, 1995; schwarz auf weiß. Vierzeiler, 1998; Wie die Linien meiner Hand. Aufzeichnungen, 1999; Nachmittag, Ende September. Vierzeiler, 2000; Jene Trauben des Zeuxis. Aufzeichnungen, 2002; Verweilen, gehen. Gedichte, 2003; Am Ufer sitzen. Aufzeichnungen, 2006; Der Hund von Torcello 2007; Wie es kommen wird. Meine Vierzeiler 2009. O Abendstunde. Gedichte, 2011; Auf meine Art. Gedichte, 2012; In der Stadt, wo du lebst – Hans Bender in Köln, 2013.

Betzner, Anton

Anton Betzner, um 1960 © Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek

Anton Betzner, Schriftsteller, Hörspielautor und Journalist, geb. am 13.1.1895 in Köln, gest. am 18.2.1976 in Puerto de Mazarrón, Spanien – Betzner war Sohn eines Organisten und studierte nach dem Abitur zunächst Klavier und Komposition bei Ewald Sträßer am »Conservatorium der Musik in Coeln«. Als Journalist war er für die »Frankfurter Zeitung« tätig; Umzug nach Hessen; 1929 erschien sein erster Roman Antäus; nach 1945 Mitarbeit in der Abteilung »Kulturelles Wort« beim Südwestfunk Baden-Baden. Durch die Fürsprache Alfred Döblins erhielt Betzner eine Stelle als Redakteur bei der Zeitschrift »Das goldene Tor«. Ab 1963 war er verantwortlicher Herausgeber der Frauenzeitschrift »Du selbst«. 1965 Umzug nach Puerto de Mazarrón.

Werke

(Auswahl): Das Jugendheim. Eine Komödie, 1922; Antäus. Roman. Mit einem Nachwort von Alfred Döblin, 1929; Die Gebundenen. Roman; 1930; Deutschherrenland. Ostpreußenfahrten, 1940; Basalt. Roman, 1942; Die Michaelsblume. Roman, 1947; Die schwarze Mitgift. Roman, 1956; Der gerettete Ikarus,1960. [Bibliographie]

Böll, Heinrich

Heinrich Böll © Gernot Huber

Heinrich Böll, Schriftsteller, Publizist und Übersetzer, geb. am 21.12.1917 in Köln, gest. am 16.7.1985 in Langenbroich/Eifel – Böll begann nach dem Abitur eine Lehre im Buchhandel, die er jedoch bald abbrach. Stattdessen begann er 1939 ein Studium der Germanistik und Philologie an der Universität zu Köln, im gleichen Jahr wurde er zur Wehrmacht eingezogen und verbrachte den Kriegsdienst als einfacher Soldat in Polen, Frankreich, Sowjetunion, Rumänien und Ungarn. 1945 kehrte er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Köln zurück, wo er sein Studium wieder aufnahm und in der Schreinerei seines Bruders arbeitete. Ab 1947 veröffentlichte Böll in literarischen Zeitschriften, erste Buchpublikationen erfolgten ab 1949 im Friedrich Middelhauve Verlag. 1952 wurde er Autor des Kölner Verlags Kiepenheuer & Witsch und veröffentlichte Romane, Erzählungen, Hör- und Fernsehspiele sowie Theaterstücke. Außerdem übersetzte er, gemeinsam mit seiner Frau Annemarie, englische und amerikanische Literatur (u. a. George Bernard Shaw und Jerome D. Salinger).
Als Publizist und Schriftsteller kritisierte Heinrich Böll die restaurativen Entwicklungen der Bonner Republik und polemisierte gegen das kirchentreue und klerikale Establishment. In den sechziger und siebziger Jahren setzte er sich kritisch mit der Politik und der Gesellschaft seiner Zeit auseinander und war als intellektueller Autor seinerseits der öffentlichen Kritik ausgesetzt die sich in einer Hetzkampagne des Springer-Verlags in den siebziger Jahren gegenüber Böll zuspitzte.
1970 wurde Böll zum Präsidenten des PEN.-Clubs der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Neben diesem Amt, das er bis 1972 ausfüllte, wurde er 1971 zugleich Präsident des internationalen PEN.-Clubs (bis 1974). Böll erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis (1967), den Nobelpreis für Literatur (1972) und die Carl-von-Ossietzky-Medaille (1974). 1981 wurde Böll das Ehrenbürgerrecht der Stadt Köln verliehen; darüber hinaus trägt der 1980 gegründete Kölner Literaturpreis seit 1985 den Namen Heinrich Bölls.

Werke

Sein gesamtes Werk erschien als 27-bändige sogenannte Kölner Ausgabe im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Werke (Auswahl): Der Zug war pünktlich, 1949; Wanderer, kommst du nach Spa? 1950; Wo warst du, Adam? 1951; Und sagte kein einziges Wort, 1953; Haus ohne Hüter 1954; Das Brot der frühen Jahre, 1955; Billard um halb zehn, 1959; Ansichten eines Clowns, 1963; Ende einer Dienstfahrt, 1966; Gruppenbild mit Dame, 1971; Die verlorene Ehre der Katharina Blum, 1974; Fürsorgliche Belagerung, 1979; Frauen vor Flußlandschaft, 1985 (postum).

Brings, Rolly

Rolly Brings © Michael Maye

Rolly Brings, Musiker und Schriftsteller, geb. am 19.7.1943 in Köln. – Aufgewachsen in Köln-Ehrenfeld, mit 14 Jahren fuhr er zur See. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Hilfsarbeiter; Lehre als Maschinenschlosser bei Ford; Studium der Pädagogik, anschließend war er als Lehrer u. a. an einer Gesamtschule in Weilerswist tätig. Rege Auftrittstätigkeit und Plattenproduktionen mit politischen Themen und über historische Ereignisse. Für sein politisches Engagement und sein Eintreten gegen Rassismus wurde Brings 2007 mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet; 2012 erhielt er den Giesbert-Lewin-Preis der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V. für seinen engagierten Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung.

Werke

(Auswahl): irjendwo dovöre, wo de Stroß ophöt. CD und Textbuch, 1986; Minsche. CD und Textbuch, 1989; Heinrich Böll: Mer kumme wick her. CD, 1993; mer vejesse nit. CD, 1995; 1848 von unge. CD und Textbuch, 1998; Logbuch 1. CD und Textbuch,1999; Och dat, mi Hätz es kölsch. Gesammelte Texte 1971–2002, 2002; Lück sin och Minsche. Enzyklopädie der Kölner Redensarten, 2008; coLOGneBUCH II, 2010; Grimms Märchen auf Kölsch, 2012; Das Evangelium auf Kölsch, 2013; Fabeln auf Kölsch, 2015; e. o. plauen – Vater & Sohn op Kölsch, 2013.

Dorn, Anne

Anne Dorn © Stadtbibliothek Köln/LiK-Archiv

Anne Dorn (eigentlich Anna Christine Schlegel), Schriftstellerin, Lyrikerin, Hörspiel- und Fernsehautorin, geb. am 26.11.1925 in Wachau bei Dresden, gest. am 8.2.2017 in Köln. – Dorn absolvierte zunächst eine Lehre bei einem Zeitungsverlag, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich, dann in der Bundesrepublik Deutschland fortsetzte. Anschließend nahm sie eine Ausbildung zur Kostümbildnerin auf und arbeitete nach deren Abschluss am Neuen Theater Herford, später am Lippischen Landestheater Detmold. 1967 erschien ihre erste Erzählung Die Familie in der von Dieter Wellershoff herausgegebenen Anthologie Wochenende. Sechs Autoren variieren ein Thema. 1969 zog sie mit ihren vier Kindern nach Köln, wo sie fortan als freie Schriftstellerin arbeitete. Sie verfasste gesellschaftskritische Features, drehte Autorenfilme und schrieb Erzählungen, Romane und Gedichte. Anne Dorn war Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller, des PEN.-Zentrums Deutschland und der GEDOK. Ausgezeichnet wurde ihr Werk 1973 mit dem Förderstipendium der Stadt Köln, 1974 mit dem Deutschen Journalistenpreis, 1985 mit der Einladung als Ehrengast der Villa Massimo in Rom sowie 2007 mit der Kester-Haeusler-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung.

Werke

(Auswahl): Hüben und drüben 1991; Rübergemacht. Schauspiel, 1992; Geschichten aus tausendundzwei Jahren, 1992; Damals als die Sonne schien. Novelle, 1996; Siehdichum. Roman, 2007; Spiegelungen. Roman, 2010; Verlust. Essay zum Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln, 2010; Wetterleuchten. Gedichte, 2011; Jakobsleiter. Gedichte, 2015.

Drews, Ingeborg

Ingeborg Drews, 2012 © Stadtbibliothek Köln/LiK-Archiv

Ingeborg Drews, geb. Weiser, Schriftstellerin, Bildende Künstlerin und Journalistin, geb. am 26.7.1938 in Köln, gest. am 21.8.2019 in Köln. – Drews kam im Severinsklösterchen in der Kölner Südstadt zur Welt, die Familie wohnte in der Brühler Straße 119. Nach einer Lehre als Gebrauchsgraphikerin studierte sie von 1958 bis 1960 Malerei und Grafik an den Kölner Werkschulen und der École des Beaux-Arts in Paris. 1974–1978 studierte sie Handels-Englisch und -Französisch, es folgte eine Anstellung bei der Deutschen Welle. 1975–1978 Studium in Freier Graphik an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design sowie von 1991 bis 1995 Kunsttherapie an der Universität Köln; 2003 Promotion. – Drews ist seit 1958 journalistisch, literarisch und künstlerisch tätig. Erste literarische Veröffentlichungen hatte sie in V.O. Stomps Alphabet. Seit 1998 erschienen von ihr regelmäßige Beiträge im Jazz-Podium. Für ihre Lyrik und satirische Fotografien wurde Drews mehrfach ausgezeichnet.

Werke

(Auswahl): Am Rande der Stunden. Gedichte, 1989; Die gewöhnliche Sternstunde. Gedichte, 1999; Der schöne Schein – die Ästhetik des Kitschs (Diss.), 2003; Verboten. Verbannt. Verbrannt. Ausstellungskatalog, 2008; Malerei. Grafik. Aphorismen. Ausstellungskatalog, 1990; Mein Paris trägt grüne Schuhe. Eine autobiographische Erzählung, 2012; Johanns Limousinen, 2020.

Duns Scotus, Johannes

Unbekannter Künstler: Bildnis von Johannes Duns Scotus, 17. Jh., Kupferstich © National Portrait Gallery, London, Inv.-Nr. NPG D2398

Johannes Duns Scotus, Theologe, Franziskaner und Philosoph der Scholastik, geb. um 1266 in Duns, Schottland, gest. am 8.11.1308 in Köln. – In Dumfies besuchte er die Schule der Franziskaner und trat schließlich selbst dem Orden bei. Er absolviert um 1281 bis 1287 die damals übliche sechsjährige Ausbildung in Philosophie und 1288 bis 1293 die sechsjährige Ausbildung in Theologie in Oxford, Cambridge und Paris. Ab 1302 hatte Duns Scotus einen Lehrstuhl an der theologischen Fakultät in Paris inne. Wegen seiner scharfsinnigen Kritik erhielt er den Ehrennamen »doctor subtilis«. 1307 wurde er zum »lector principalis« am Generalstudium der Franziskaner in Köln ernannt, einer der institutionalisierten Schulen, aus der acht Jahrzehnte später die Kölner Universität hervorging. Johannes Duns Scotus starb 1308 in Köln vermutlich an der Pest. Sein Grab befindet sich in der Minoritenkirche. 1993 wurde Dun Scotus von Papst Johannes Paul II zum Seligen der ganzen Kirche erklärt. – Hinterlassen hat der Gelehrte ein umfangreiches, aber zum größten Teil unvollendetes Werk.

Foxius, Armin

Armin Foxius, 2021 © Privat

Armin Foxius, Schriftsteller und Lehrer, geb. am 31.3.1949 in Köln – 1950 zog die Familie nach Malmedy und 1956 nach Eupen, wo Foxius die Volksschule besuchte. Von 1960 bis 1968 war er auf dem St. Michael-Gymnasium in Münstereifel. 1961 verstarb der Vater, der zuletzt als Journalist des Kölner Stadt-Anzeigers gearbeitet hatte. Nach dem Abitur nahm Foxius an der Kölner Universität ein Studium der Slawistik und Philosophie und später ein Lehramtsstudium auf. Von 1979 bis 2014 war er Lehrer an der Ursula-Kuhr-Schule in Köln-Heimersdorf. – Foxius gründete eine Kölsch-Arbeitsgemeinschaft und schrieb zwei Kinder-Musicals (Büchse oder Die Pänz vum Kölner Norden, Et Büdche), ferner verfasste er Texte zur Lokal- und Regionalgeschichte. Seit 2015 schreibt Foxius monatlich für die Rubrik ›Kölsch Verzällche‹ in der Kölnischen Rundschau.

Werke

(Auswahl): Kressdaach es wie Weihnachten, 1994; Alles Köln, 1996; Groß Köln Klein Köln, 1998; Gipfel Zipfel. Gedichte, 1999; Dom mit Balkon, 2003; Chressbaum, Krepp, Prosit Neujohr, 2007; Vater Rhein. Ach, Alter, 2010; Ich heiße Kevin. Na und!, 2013; Kölsche Klaaf. E Leseboch, 2016; Köln ist nicht Berlin. Geschichten und Erzählungen aus der rheinischen Metropole, 2018; Verzäll mer jet vun Kölle! – 60 Kölsche Texte, 2020.

Kohtes, Michael

Michael Kohtes © WDR/Simin Kianmehr

Michael Kohtes, Journalist und Schriftsteller, geb. am 25.2.1959 auf Gut Rosauel bei Köln. – Studium der Germanistik und Geschichte in Bonn und Paris; 1988/89 war er Stipendiat der Eidgenössischen Stipendienkommission in Zürich. 1989/90 absolvierte Kohtes ein Volontariat beim WDR. Seit 1990 arbeitet er als Redakteur und Moderator von verschiedenen WDR-Kultursendungen (u.a. »Gutenbergs Welt«, »Zeichen & Wunder«) sowie als freier Schriftsteller und Literaturkritiker. Zusammen mit Adrian Winkler erhielt er 2015 in der Kategorie »Bestes Interview« den Deutschen Radiopreis für eines der letzten Interviews mit Fritz J. Raddatz in der Sendereihe »Zeichen & Wunder«. Michael Kohtes lebt in Köln.

Werke

(Auswahl): Der Rausch in Worten. Ein Essay, 1987; Hysterie und Beschwichtigung. Ausgewählte Gedichte, 1990; Nachtleben. Topographie des Lasters, 1994; Literarische Abenteurer. Dreizehn Portraits, 1996; Boxen. Eine Faustschrift, 1999; Va Banque. Über Glücksspieler und Spielerglück, 2009; 365 Tage. Ansichten von K., 2012. Als Herausgeber veröffentlichte er: Jean Rhys: Ein Abend in der Stadt, 1990; Dichter am Äther. Schriftsteller über das Radio, 2006.

Kühn, Dieter

Dieter Kühn, 2013 © Stadtbibliothek Köln/LiK-Archiv

Dieter Kühn, Schriftsteller, geb. am 1.2.1935 in Köln, gest. am 25.7.2015 in Brühl – Kühn verbrachte seine Kindheit und Jugend in Bayern. 1949 zog die Familie nach Düren, wo Kühn 1955 das Abitur ablegte. Studium der Anglistik und Germanistik in Freiburg i. Br., München und Bonn. Nach einem Jahr Lehrassistenz am Haverford College/USA wurde er an der Universität in Bonn über Robert Musils Mann ohne Eigenschaften promoviert. 1992/93 hielt Kühn die Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Essays, Hörspiele und Theaterstücke. Einem größeren Publikum bekannt geworden ist Kühn durch N (1970) einer semifiktiven Biographie Napoleon Bonapartes. Das biographische Erzählen mit ganz unterschiedlichen Methoden, die ein großes Spektrum formaler Möglichkeiten umfassen, hat Kühn in der Folge an vielen historischen Figuren erprobt. – Preise und Auszeichnungen: 1972 Förderpreis des Landes NRW, 1974 Hörspielpreis der Kriegsblinden, 1974 Georg-Mackensen-Preis; 1977 Hermann-Hesse-Preis. 1980/81 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, 1989 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste; 1993 Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis und 2004 Jan-Polak-Jugoslawien-Preis. Carl-Zuckmayer-Medaille 2014.

Werke

(Auswahl): Ausflüge im Fesselballon. Roman, 1971; Josephine. Aus der öffentlichen Biographie der Josephine Baker, 1976; Ich, Wolkenstein. Eine Biographie, 1977; Herr Neidhart, 1981; Schnee und Schwefel. Gedichte, 1982; Der Parzival des Wolfram von Eschenbach, 1986; Beethoven und der schwarze Geiger, 1990; Tristan und Isolde des Gottfried von Straßburg, 1991; Clara Schumann, Klavier, 1996; Goethe zieht in den Krieg, 1999. Auf dem Weg zu Annemarie Böll 2000; Frau Merian! Eine Lebensgeschichte, 2002; Mit Flügelohren. Mein Hörspielbuch, 2003; Schillers Schreibtisch in Buchenwald. Bericht, 2005; Geheimagent Marlowe. Roman 2007; Gertrud Kolmar, 2008; Ein Mozart in Galizien, 2008; Das Magische Auge. Mein Lebensbuch, 2013; Die siebte Woge. Mein Logbuch, 2015.

Mayer, Hans

Hans Mayer vor seiner Rede zur Leipziger Buchmesse in der Nikolaikirche Leipzig, 1991 © Foto Martin Jehnichen

Hans Mayer, Wissenschaftler, Kulturkritiker und Schriftsteller, geb. am 19.3.1907 in Köln, gest. am 19.5.2001 in Tübingen –  Er stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie; Studium der Staats- und Rechtswissenschaften sowie Philosophie und Geschichte in Köln, Berlin und Bonn. 1930 Promotion bei Fritz Stier-Somlo an der Kölner Universität. Nach 1933 wurde Mayer unmittelbar nach der zweiten juristischen Staatsprüfung aus dem Staatsdienst entlassen. Als Jude, Marxist und Homosexueller war er in dreifacher Hinsicht von den Repressalien und Verfolgungen durch die Nationalsozialisten bedroht; Emigration nach Frankreich und in die Schweiz, wo er u. a. Mitarbeiter einer kulturpolitischen Zeitschrift war. Nach 1945 kehrte Mayer nach Deutschland zurück. Von 1946-1947 war er Chefredakteur des Hessischen Rundfunks, dann Dozent für Soziologie an der »Akademie der Arbeit« in Frankfurt/Main (1947-1948); 1948 wechselte er in die Sowjetische Besatzungszone und wurde 1948 Ordinarius für Kultursoziologie und Literaturgeschichte an der Universität Leipzig. Gleichzeitig war er Direktor des Instituts für deutsche Literaturgeschichte. In der DDR geriet er in das Spannungsverhältnis zwischen real-sozialistischer Utopie und Wirklichkeit. 1963 kehrte Mayer nach einem Verlagsbesuch in Tübingen nicht mehr in die DDR zurück. 1965 nahm er den neu errichteten Lehrstuhl für Germanistik an der TU Hannover an. – Auszeichnungen u. a.: Deutscher Kritiker-Preis, 1966; Ehrendoktorwürde der Universitäten Brüssel, 1969, Wisconsin, 1972, Leipzig 1992; Nationalpreis III. Klasse, DDR, 1955; Heinrich-Böll-Preis, Köln, 1980; Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband, 1987; Medaille für Kunst und Wissenschaft, Hamburg, 1987; Ernst-Bloch-Preis, 1988; Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 1990; Goldenes Ehrenzeichen des Landes Wien, 1992; Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres, 1993; Ernst-Bloch-Preis, 1995; Heinrich-Mann-Preis, 1995.

Werke

(Auswahl): Beiträge zur Theorie des Anarchismus, 1935; Georg Büchner und seine Zeit, 1946/47); Von der III. zur IV. Republik: Geistige Strömungen in Frankreich 1939-45, 1947; Literatur der Übergangszeit, 1949; Thomas Mann, Werk und Entwicklung, 1950; Schiller und die Nation, 1953; Meisterwerke deutscher Literaturkritik, 1953 ff; 3 Bde.; Studien zur deutschen Literaturgeschichte, 1954; Deutsche Literatur und Weltliteratur, Reden und Aufsätze, 1957; Richard Wagner, 1959; Von Lessing bis Thomas Mann, Wandlungen der bürgerlichen Literatur in Deutschland, 1959; Bertolt Brecht und die Tradition, 1961; Zur deutschen Klassik und Romantik, 1963; Deutsche Literaturkritik im zwanzigsten Jahrhundert, 1966; Zur deutschen Literatur der Zeit, 1967; Konstellationen der Literatur. Erinnerungen und Deutung, 1970; Deutsche Literaturkritik der Gegenwart 1933-1968, 1972); Goethe. Ein Versuch über den Erfolg, 1973; Außenseiter, 1975; Nach Jahr und Tag, 1977; Richard Wagner, Mitwelt und Nachwelt, 1978; Doktor Faust und Don Juan, 1979; Thomas Mann, 1980; Ein Deutscher auf Widerruf, 1982/84; Das unglückliche Bewusstsein, 1986; Gelebte Literatur. Frankfurter Vorlesungen, 1987; Die umerzogene Literatur. Deutsche Schriftsteller 1945-67, 1987; Die unerwünschte Literatur. Deutsche Schriftsteller und Bücher 1968-1985, 1989; Abend der Vernunft, 1990; Der Turm von Babel, 1991; Wendezeiten, 1993; Der Widerruf. Über Deutsche und Juden, 1994; Erinnerung an Brecht, 1996; Reisen nach Jerusalem. Erfahrungen 1968 bis 1995, 1997; Zeitgenossen. Erinnerungen und Deutungen, 1998; Gelebte Musik. Erinnerungen, 1999; Bürgerliche Endzeit. Reden und Vorträge 1980 bis 2000, 2000.

Nikolić, Jovan

Jovan Nikolić © Privat

Jovan Nikolić, Schriftsteller, Journalist, geb. am 7.12.1955 in Belgrad – Er wuchs in einer Romasiedlung bei Čačak in Serbien auf. Seit 1981 veröffentlichte er neben zahlreichen Lyrikbänden auch Theaterstücke und satirische Texte in serbokroatischer Sprache. Nach dem Bombardement der NATO, emigrierte er 1999 aus Belgrad und lebt seitdem in Köln. Im Jahr 2000 wurde sein Antikriegsstück Kosovo mon amour, das er zusammen mit Ruzdija-Ruso Sejdovic verfasste, bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt. Nikolić war Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung, der Akademie der Künste Berlin, des Writers-in-Exile Programms des deutschen PEN-Zentrums, der Stadt Graz, der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, von KulturKontakt Austria und Printemps des Poètes sowie der Stadt Salzburg. 2015 war er als »Writer in Residence« an der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck und von 1999 bis 2005 Vizepräsident der International Roma Union. Seit 2002 ist er Vizepräsident des Internationalen Romani Schriftstellerverbandes (IRWA), außerdem ist er Mitglied im serbischen PEN. Sein Buch Weißer Rabe, schwarzes Lamm wurde 2011 zum »Buch für die Stadt« der Stadt Köln gewählt. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit kuratierte Nikolić mehrere Ausstellungen.

Werke

(Auswahl): Zimmer mit Rad. Gedichte, 2004; Weißer Rabe, schwarzes Lamm, 2006; Seelenfänger, lautlos lärmend, 2011; Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben, 2016; Gedichte erschienen u.a. in der Anthologie Die Morgendämmerung der Worte. Moderner Poesie-Atlas der Roma und Sinti, 2018; Der Gast nirgendwoher. Gesammelte Lyrik, 2021.

Reategui, Petra

Petra Reategui © Foto Petra Hartmann

Petra Reategui, Schriftstellerin und Journalistin, geb. 1948 in Karlsruhe. –  Nach einem Dolmetscherstudium war sie zunächst als Dolmetscherin tätig und wechselte nach einem Soziologiestudium in den Journalismus. Zunächst arbeitete sie als freie Hörfunkjournalistin, dann als Redakteurin bei der Deutschen Welle in Köln, später Bonn. Zahlreiche Reportagereisen führten sie nach Afrika, Asien und Lateinamerika. Seit 2004 schreibt Petra Reategui als freie Autorin überwiegend historische Romane und Kriminalromane. In Köln lebt sie seit 1980.

Werke

(Auswahl) Filzengraben. Historischer Kriminalroman, 2009 (Neuauflage unter dem Titel Der gestohlene Duft, 2015); Moselhochzeit. Historischer Kriminalroman, 2013; Weinbrenners Schatten. Historischer Kriminalroman, 2014; Hofmaler. Das gestohlene Leben des Feodor Ivannoff genannt Kalmück. Romanbiographie, 2017; Der Grenadier und der stille Tod. Historischer Kriminalroman, 2020

Rönneper, Joachim

Joachim Rönneper © Martin Ortloff

Joachim Rönneper, Schriftsteller, Konzeptkünstler und Herausgeber, geb. am 18.5.1958 in Düsseldorf. – Er studierte von 1980 bis 1984 Germanistik, kath. Theologie und Pädagogik in Münster und absolvierte anschließend sein Referendariat an der Städt. Hauptschule in Cloppenburg. 1989 gründete Rönneper ein Staubmuseum, die Sammlung aus nationalen und internationalen Museen, Kultur- und Gedenkstätten umfasst 482 Staubproben. 1989–1994 künstlerisch-organisatorischer Leiter des Fördervereins junger Kunst 68elf e. V. in Köln. 1996 Lehrbeauftragter an der Kunstakademie Münster. 2000–2015 in Teilzeit wieder als Lehrer in Köln tätig. 2019 schloss er sein Staubmuseum als ein künstlerisches Gesamtkunstwerk in Form eines Objektkastens mit nummerierten, inventarisierten Flaschen ab. Rönneper tritt als Ausstellungskurator im In- und Ausland sowie als Herausgeber zahlreicher Anthologien hervor. Er lebt und arbeitet in Köln-Niehl. 1996 Max-Imdahl-Stipendium für Kunstvermittlung der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege.

Werke

(Auswahl): Phänomen Staub. Dokumentation einer Idee, 1990; Gedankenstrich. Gedichte, Bilder, Essays, 1992; Die Welt der Museen. Literarische Besuche in den Museen der Welt, 1993; Maler Moll. Malung & Dichterei, 1995; Mit Pinsel und Palette. Gedichte und Geschichten über Maler, 1996; Wer nicht sehen will, muß hören. Kunst und Literatur als Text-Hör-Bilder, 1998; Jene Trauben des Zeuxis. Aufzeichnungen. Hans Bender über Malerei, 2002; Picasso geht spazieren. Eine poetische Hommage, 2004; Vor meiner Haustür. Ein Begleitbuch zu den ›Stolpersteinen‹ von Gunter Demnig, 2010; Museum op Kölsch. Mundart trifft auf Weltkunst, 2011; Momente wie diese. Photographie im Sucher der Literatur, 2012; Leertaste. Literarische Miniaturen, 2018; Heimat ist. Abgeordnete des 19. Deutschen Bundestages antworten, 2019; abgeschminkt. Geschichten über den Clown, 2019; Nach Corona ist vor Corona. Aufzeichnungen, 2020.

Schiffner, Sabine

Sabine Schiffner an St. Pantaleon © Stefan Winterstein

Sabine Schiffner, Schriftstellerin, Übersetzerin und Regisseurin, geb. 1965 in Bremen – Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik und Pädagogischen Psychologie in Köln. Von 1992 bis 1996 war sie Mitglied des Ensembles am Kölner Schauspielhaus. Zwischen 2007 und 2011 lebte Schiffner in Spanien. Sie schreibt vor allem Lyrik, hat aber auch Erzählungen, Romane und Hörspiele publiziert; darüber hinaus übersetzt sie literarische Texte aus dem Französischen, Katalanischen und Spanischen, dichtet georgische Lyrik nach und ist als Herausgeberin tätig. Von 1988 bis 1992 war Schiffner Mitglied der Kölner Autorenwerkstatt; sie ist Mitglied des PEN. Heute lebt Schiffner wieder in Köln. – Auszeichnungen: Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz, 2004; Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung, 2005; Stipendiatin der Villa Aurora, 2006; Förderpreis der Kunststiftung der Stadtsparkasse Köln, 2014; Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung Weimar, 2014; Förderstipendium der Kunststiftung NRW, 2015; Aufenthaltsstipendium im Atelier Galata/Istanbul, 2021.

Werke

(Auswahl): Besteck im Kopf. Gedichte, 1997; Seenebel. Hörspiel, 1999; Kindbettfieber. Roman, 2005; Male. Gedichte, 2006; Dschinn. Gedichte, 2007; fremd gedanken. Gedichte, 2013; super ach. Gedichte, 2018. Schiffners Gedichte finden sich in zahlreichen Lyrik-Anthologien.

Schöfer, Erasmus

Erasmus Schöfer, 2012 © Stadtbibliothek Köln/LiK-Archiv

Erasmus Schöfer, Schriftsteller u. Germanist, geb. am 4.6.1931 in Altlandsberg bei Berlin. – Von 1949 bis 1961 Studium der Germanistik, Sprachwissenschaft und Philosophie in Berlin, Köln, Bonn und Freiburg. Während des Studiums arbeitete Schöfer als Fabrikarbeiter in Berlin, nach seinem Umzug nach Köln (1954) in der Schwank-Gasgeräte GmbH in Köln Kalk. 1960 Promotion über Die Sprache Heideggers; seit 1962 als freier Schriftsteller tätig. Von 1965 bis 1968 war Schöfer Leiter des  Münchner »Komma-Klubs« (zur Förderung progressiver und sozialistischer Literatur). 1970 zählte er zu den Mitbegründern des »Werkkreises Literatur der Arbeitswelt«, er war auch Mitbegründer des Industrietheaters Rhein-Ruhr und Mitarbeiter im Bundesvorstand des VS (Verband deutscher Schriftsteller). Er ist Verfasser von Drehbüchern und Hörspielen, außerdem Lyriker, Erzähler, Essayist, Herausgeber und Übersetzer sowie Mitglied des PEN-Zentrums Bundesrepublik Deutschland. – Preise und Auszeichnungen: 1964 Kurt-Magnus-Preis der ARD; Arbeitsstipendien NRW (1974, 1977 u. 2001); Stipendien des Deutschen Literaturfonds (1981 u. 1992); 2008 Gustav Regler-Preis der Stadt Merzig und des Saarländischen Rundfunks.

Werke

(Auswahl): Die Sprache Heideggers, 1962; Vielleicht bin ich schon morgen eine Leiche. Proletarisches Lustspiel, 1970; Bittere Pillen. Verfolgung. Die Hütte gehört uns. Texte für Theater, Film, Funk, 1978; Die Bürger von Weiler. Ein optimistisches Trauerspiel, 1978; Erzählungen von Kämpfen, Zärtlichkeit und Hoffnung, 1979; Der Sturm, 1981; Tod in Athen. Ein Gegenwartsroman, 1986; Flieg Vogel stirb, 1987. Als sein Hauptwerk gilt die Romantetralogie Die Kinder des Sisyfos (Ein Frühling irrer Hoffnung, 2001; Zwielicht, 2004; Sonnenflucht, 2005; Winterdämmerung, 2008); Sisyfos Lust. Gedichte, 2021.

Steiner, Rolf

Rolf Steiner, 2005 © Bernd Jansen

Rolf Steiner, Schriftsteller und Bildender Künstler, geb. am 13.5.1951 in Köln – Er studierte von 1971 bis 1978 Psychologie in Marburg. Nach dem Studium betrieb Steiner zwischen 1978 und 1986 ein Ein-Mann-Theater und bereiste die deutschsprachigen Länder. Seit 1980 arbeitet er als freier Schriftsteller, Filmemacher und Künstler; sein schriftstellerisches Werk umfasst Gedichte, Erzählungen, Romane und Drehbücher. Seit 1985 entstanden mit Norbert Prangenberg bibliophile Künstlerbücher und Mappenwerke. Mit zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen ist der Künstler in deutschen und europäischen Museen und Galerien vertreten. – 1997 erhielt Steiner ein Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen; mehrfacher Stipendiat des Künstlerhauses Villa Waldberta in München.

Werke

(Auswahl): Der Himmel hat das größte Loch. Gedichte, 1985; Andritsena. Erzählung, 1988; Der Luftlochschläger. Roman 1990; Köln, Blicke. Portrait von R. D. Brinkmann, 1991; Schukrut. Roman, 1994; Tür Zu, Theaterstück, 1994; Potala. Erzählung, 1995; Sechs Orte. Reiseminiaturen, 1996; Das Totenmahl. Erzählungen, 1998; Als ich schaute was ich sah staunte ich nicht schlecht, Bayerische Skizzen, 2006; Willkommen in Oswiecim, 2008; Fohr und der Engel, 2009; Spaziergang mit Rosalie. Erzählung. Künstlerbuch, 2014; Der Schwarze Turm. Künstlerbuch, 2016; Der Holunderkönig. Roman, 2017; Ins Offene. Künstlerbuch, 2020.

Straus-Ernst, Louise

Portrait von Louise Straus-Ernst
Louise Straus-Ernst, um 1936

Louise Straus-Ernst (auch Luise), Kunsthistorikerin, Journalistin und Schriftstellerin, geb. am 2.12.1893 in Köln, gest. Anfang Juli 1944 im KZ Ausschwitz. – Tochter eines Kölner Hutfabrikanten, wuchs in einem liberalen jüdischen Milieu auf. Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte an der Universität in Bonn; 1917 wurde sie dort als eine der ersten Frauen an der Universität promoviert. Während des Studiums lernte sie Max Ernst (1891-1976) kennen, den sie 1918 heiratete, aus der Ehe ging 1920 ein Sohn hervor. Nach der Promotion arbeitete sie in der Galerie Becker & Newmann und als Ausstellungskuratorin im Kölner Wallraf-Richartz-Museum. Ferner bestritt sie ihren Lebensunterhalt als Journalistin. 1926 wurde die Ehe mit Max Ernst geschieden. 1933 floh Straus-Ernst nach Paris. Nach einem kurzen Aufenthalt im Internierungslager Camp de Gurs konnte sie in das Bergdorf Manosque flüchten. 1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert, wo sie im gleichen Jahr starb.

Werke

(Auswahl): Nomadengut. Autobiographie (1912-1942), 1999; Eine Frau blickt sich an. Reportagen und Erzählungen (1933–1941), 2012; Männer im Hintergrund. Roman [ca.1928/29], unveröffentlicht; Ein ganz gewöhnliches Leben. Erzählung [o.D.], unveröffentlicht; Zauberkreis Paris (Pseudonym Lou Ernst). Fortsetzungsroman. Pariser Tageblatt 31.12.1934 – 6.2.1935; Ausflug in die Bohème (Pseudonym Ulla Bertram). Erzählung. Pariser Tageszeitung 27. 3. 1938 – 1. 5. 1938. – Darüber hinaus entstanden zwischen 1917 und 1941 zahlreiche journalistische Arbeiten und Reportagen in nationalen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften. Eine Auswahlbibliographie findet sich in: Eva Weissweiler: Notre Dame de Dada. Luise Straus-Ernst – das dramatische Leben der ersten Frau von Max Ernst, 2016.

Sturm, Vilma

Vilma Sturm, ca. 1969 © Henry Maitek

Vilma Sturm (Pseudonyme: Anne Detrois, Luise Fels, Katharina, Antoine Stahl), Schriftstellerin und Journalistin, geb. am 27.10.1912 in Mönchengladbach, gest. am 17.2.1995 in Bonn. – Studium der romanischen Sprachen, Geschichte, Jura, Philosophie und Kunstgeschichte in Bonn und München. Nach Abbruch des Studiums 1934 besuchte sie die Höhere Handelsschule in Rheydt und arbeitete 1935 als Sekretärin in einem katholischen Verlag; Buchhandelslehre in München; Auslandskorrespondentin einer Tuchfabrik; 1936 Umzug nach Berlin, um dort journalistisch zu arbeiten, u. a. für die »Kölnische Zeitung«. Es folgten erste Romanveröffentlichungen mit deutlich vaterländischer Gesinnung, erst in den Nachkriegsjahren entwickelte sich Sturm zu einer engagierten Vertreterin eines christlichen Humanismus. 1942–1944 Truppenbetreuung der Wehrmacht; nach 1944 Rückzug nach Wagrain/Österreich; ab 1949 freie Mitarbeiterin bei der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, für die sie von 1959 bis 1977 als festes Redaktionsmitglied arbeitete. Von 1954 bis 1984 lebte sie in Köln. – Sturm schrieb Romane, Erzählungen, Essays und Reisereportagen. Mit Dorothee Sölle begründete sie 1968 die »Politischen Nachtgebete« in Köln und war eine treibende Kraft der bundesdeutschen Friedensbewegung. 1971 Aufnahme in den PEN.-Club; 1968 Rheinischer Kulturpreis; 1986 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen; 1990 Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Werke

(Auswahl): Im grünen Kohlenpott, 1965; Nebenbei, 1972; Barfuß auf Asphalt. Ein unordentlicher Lebenslauf, 1981; Mühsal mit dem Frieden, 1982; Alte Tage, 1986; Krankenbett. Aufzeichnungen, 1988; Achtzig Jahre Krieg und Frieden, 1991; Gongschläge. Journalistische Texte aus 4 Jahrzehnten, 1992; Vorne – wo ist das?, 1996.

Thomas von Aquin

Carlo Crivelli: Thomas von Aquin, 1476, Tempera auf Pappelholz © National Gallery, London, Inv.-Nr. NG788.9

Thomas von Aquin, Philosoph, Dominikaner und Theologe, geb. um 1225 bei Aquino, nahe Neapel, gest. am 7.3.1274 in Fossanova, 1323 heiliggesprochen. – Der Sohn eines Grafen und einer Gräfin wurde im Alter von fünf Jahren der Obhut der Benediktiner auf Montecassino anvertraut, deren Abt sein Onkel war. Bereits mit 13 Jahren nahm er das Studium Generale an der Universität in Neapel auf. 1244 trat Thomas gegen den Willen seiner Verwandten in den Orden der Dominikaner ein. Die Familie widersetzte sich diesem Beitritt und nahm ihn für ein Jahr in Arrest, ehe er zu den Dominikanern zurückkehren konnte. An der Universität Paris studierte er von 1245 bis 1248 bei Albertus Magnus, dessen Assistent er wurde, 1248 folgte er seinem Lehrer nach Köln um hier ein Studienhaus der Dominikaner zu gründen. Vier Jahre blieb Thomas in Köln, ehe er 1252 nach Paris zurückkehrte und mit eigenen Lehrveranstaltungen begann. Von 1256 bis 1259 lehrte er in Paris als Magister der Theologie. 1259 kehrte er für zehn Jahre nach Italien zurück, wo er die Arbeit an seinen Hauptwerk, den Summa Theologiae, aufnahm und die meisten seiner Aristoteles-Kommentare entstanden. Ab 1268 lehrte er ein weiteres Mal als Magister in Paris, bis er 1271 endgültig nach Italien zurückkehrte. Thomas von Aquin war einer der einflussreichsten Philosophen des Mittelalters und hinterließ ein sehr umfangreiches Werk.

Wallraff, Günter

Günter Wallraff, 2012 © Christoph Hardt

Günter Wallraff, Journalist, Schriftsteller, geb. am 1.10.1942 in Burscheid. – Erste Gedichte veröffentlichte er 1960/61; Beginn mit Undercover-Recherchen als Arbeiter in verschiedenen westdeutschen Großbetrieben, seine Reportagen erschienen zuerst in der Gewerkschaftszeitung »Metall«, 1966 als Buch. Diese Industriereportagen machten Günter Wallraff bekannt. 1966 Mitarbeiter bei der »Hamburger Morgenpost« und bei der satirischen Zeitschrift »Pardon«, ab 1968 arbeitete er für die Zeitschrift »Konkret«. 1970 Mitgründer des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt; Reise als Mitglied des Solidaritätskomitees für politische Gefangene nach Griechenland, wo er gegen die Missachtung der Menschenrechte durch das griechische Militärregime protestierte und die Praktiken willkürlicher Verhaftungen politischer Gegner und deren Folterung anprangerte. Daraufhin wurde er von Geheimpolizisten zusammengeschlagen, verhaftet und gefoltert. Wallraff arbeitete 1977 unter dem Decknamen Hans Esser als Reporter in der BILD-Redaktion und deckte in dem Buch Der Aufmacher die Methoden, Verfälschungen und politischen Manipulationen der Boulevardzeitung auf, es folgten Verleumdungen, Bespitzelungen und Klagen von Seiten des Springer-Konzerns. In Ganz unten schilderte Wallraff die Arbeitssituation und Lebenswelt türkischer Aushilfsarbeiter in Deutschland. Seit 1971 ist Wallraff Mitglied des PEN.-Clubs. – Gerrit-Engelke-Literaturpreis, 1979 (mit Günter Herburger); Carl-von-Ossietzky-Medaille, 1984; Medienpreis Prix Jean d’Arcy, 1987; August-Bebel-Preis, 2013; Deutscher Fernsehpreis, 2014; Hans-Böckler-Preis der Stadt Köln, 2019, Hermann-Kesten-Preis, 2020.

Werke

(Auswahl): 13 unerwünschte Reportagen, 1969; Industriereportagen. Als Arbeiter in deutschen Großbetrieben, 1970; Neue Reportagen, Untersuchungen und Lehrbeispiele, 1972; Ihr da oben, wir da unten (zusammen mit Bernt Engelmann), 1973; Der Aufmacher. Der Mann, der bei »Bild« Hans Esser war, 1977; Ganz unten, 1985; Enthüllungen. Recherchen, Reportagen und Reden vor Gericht, 1985; Und macht euch die Erde untertan. Eine Widerrede, 1987; Akteneinsicht, 1987; Ich – der andere. Reportagen aus vier Jahrzehnten 2002; Aus der schönen neuen Welt, 2009; Die Lastenträger, 2014.

Weissweiler, Eva

Eva Weissweiler © Klaus Kammerichs

Eva Weissweiler, Schriftstellerin, Musikwissenschaftlerin und Rundfunkautorin, geb. am 14.2.1951 in Mönchengladbach. – Sie studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Orientalistik in Bonn, Promotion 1976. Seit den 1970er Jahren ist sie freie Autorin für Rundfunk, Fernsehen, Tageszeitungen und Fachzeitschriften. Zu ihrem umfangreichen Werk zählen Romanen, Kurzgeschichten, Hörspiele, Biographien und musikwissenschaftliche Sachbücher, daneben sind zahlreiche Hörfunkfeatures und Dokumentarfilme zu literarischen, musikhistorischen und politischen Themen erschienen. Weissweiler ist Mitglied im PEN und seit 1990 Mitglied des VS (Verband deutscher Schriftsteller), davon mehrere Jahre als Vorsitzende des Bezirks Köln und Angehörige des Landesvorstands Nordrhein-Westfalen. Von 2001 bis 2002 war sie Pressesprecherin im Bundesvorstand des VS. Im Mai 2009 gründete sie in Köln mit 15 Autor*innen den Verein AURA 09 (Aktion unabhängiger Rhein-Ruhr-Autoren).

Werke

(Auswahl): Komponistinnen aus 500 Jahren: eine Kulturgeschichte in Biographien und Werkbeispielen, 1981; Fanny Mendelssohn. Italienisches Tagebuch, 1981; Clara und Robert Schumann: Briefwechsel, 1984–2001; Clara Schumann. Eine Biographie, 1991; Gejagt von der Liebe. Roman, 1993; Monodram für eine Pianistin. Theaterstück, 1994; Der Sohn des Cellisten. Roman, 1996; Fanny und Felix Mendelssohn. »Die Musik will gar nicht rutschen ohne Dich«. Briefwechsel 1821 bis 1846, 1997; Ausgemerzt! Das Lexikon der Juden in der Musik und seine mörderischen Folgen, 1999; Tussy Marx. Biographie, 2002; Die Freuds. Biografie einer Familie, 2006; Wilhelm Busch. Biographie, 2007; Otto Klemperer: ein deutsch-jüdisches Künstlerleben, 2010; Erbin des Feuers. Friedelind Wagner, 2013; Notre Dame de Dada. Luise Straus-Ernst – das dramatische Leben der ersten Frau von Max Ernst, 2016; Lady Liberty: Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor, 2018; Das Echo deiner Frage: Dora und Walter Benjamin. Biographie einer Beziehung, 2020.

Wellershoff, Dieter

Dieter Wellershoff, 2012 © Stadtbibliothek Köln/LiK-Archiv

Dieter Wellershoff, Schriftsteller und Essayist, geb. am 3.11.1925 in Neuss, gest. am 15.6.2018 in Köln. – In Grevenbroich verbrachte Wellershoff seine Kinder- und Jugendzeit, dort besuchte er auch das Gymnasium. 1943 wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, anschließend nahm er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. 1944 wurde er in Litauen verwundet und geriet 1945 in Gefangenschaft. Eindrücklich stellt Dieter Wellershoff diese Zeit in dem autobiographischen Roman Der Ernstfall (1995) dar. Nach Kriegsende holte er sein Abitur nach und studierte ab 1947 an der Universität Bonn Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie. 1952 würde er über Gottfried Benn promoviert. Von 1952 bis 1955 arbeitete er als Redakteur bei der »Deutschen Studentenzeitung«, danach als freier Autor und ab 1959 im Lektorat des Verlages Kiepenheuer & Witsch in Köln. Wellershoff war an zahlreichen deutschen, europäischen und nordamerikanischen Universitäten als Gastdozent tätig. Seit 1981 lebte er als freier Schriftsteller in Köln. Er nahm ab 1960 an Tagungen der Gruppe 47 teil, initiierte 1965 einen »neuen Realismus«, die daraus hervorgegangene lockere Gruppierung wurde unter dem Namen »Kölner Schule« bekannt. Stellvertretend für diese Poetik steht der Roman Ein schöner Tag (1966). Preise und Auszeichnungen: 1961 Hörspielpreis der Kriegsblinden; 1969 Deutscher Kritikerpreis; 1988 Heinrich-Böll-Preis; 1995 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen; 2001 Joseph-Breitbach-Preis; 2001 Friedrich-Hölderlin-Preis; 2002 Niederrheinischer Literaturpreis; 2005 Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik; 2007 Großer Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland für sein literarisches Gesamtwerk.

Werke

(Auswahl): Gottfried Benn, Phänotyp dieser Stunde, 1958; Am ungenauen Ort, 1960; Ein schöner Tag, 1966; Literatur und Veränderung, 1969; Die Schattengrenze, 1969; Die Auflösung des Kunstbegriffs, 1976; Die Schönheit des Schimpansen, 1977; Das Verschwinden im Bild, 1980; Die Wahrheit der Literatur, 1980; Der Sieger nimmt alles, 1983; Die Arbeit des Lebens, 1985; Das Geschichtliche und das Private, 1986; Die Körper und die Träume, 1986; Flüchtige Bekanntschaften, 1987; Wahrnehmung und Phantasie, 1987; Der Roman und die Erfahrbarkeit der Welt, 1988; Pan und die Engel, 1990; Das geordnete Chaos. Essays zur Literatur, 1992; Zwischenreich. Gedichte, 1993; Der Ernstfall, 1995; Zikadengeschrei. Novelle, 1995; Das Schimmern der Schlangenhaut, 1996; Der Liebeswunsch. Roman, 2000; Der verstörte Eros, 2001; Das normale Leben. Erzählungen, 2005; Der lange Weg zum Anfang, 2007; Zwischenreich 2008; Der Himmel ist kein Ort. Roman, 2009; Was die Bilder erzählen, 2013; Die ungeheure Vielfalt der Welt festhalten, 2015.

Weyden, Ernst

Ernst Weyden, Autotypie

Ernst Weyden (Franz Maria Hubert) (Pseud. Ernest u. Ernst; Ernst Elshold), Schriftsteller, geb. am 18.5.1805 in Köln, gest. am 11.10.1869 in Altona. – Wuchs bei seiner Mutter, Eigentümerin eines Manufakturgeschäftes in der Neugasse auf. Besuch der Domschule im Minoritenkloster und des Katholischen Gymnasiums an Marzellen, 1824-1826 Studium der deutschen Sprache, der neueren Fremdsprachen und der Geschichte in Bonn; 1826–1827 Studienaufenthalt in Paris; 1828–1838 Schulamtskandidat bzw. Hilfslehrer an der städtischen Höheren Bürgerschule am Quatermarkt; 1833 Mitbegrün­der des Vereins bildender Künstler; 1838 feste Anstellung als Lehrer an der Höheren Bürgerschule am Quatermarkt; 1838/39 Redakteur der »Rheinischen Provinzialblätter«; Mitarbei­ter an den Beiblättern der »Kölnischen Zei­tung«; Mitglied des kleinen Rates im Kölner Karneval; ab 1839 Sekretär des neugegrün­deten Kölnischen Kunstvereins; 1840–1841 Sekretär des vorbereitenden Ausschusses des Kölner Dombauvereins; 1842 Mitgrün­der und bis 1850 Vorstandsmitglied des Dombauvereins; Mitherausgeber der Dom­blätter; 1842 Mitbegründer und Sekretär bzw. Vorstandsmitglied des Kölner Männer-­Gesang-Vereins; 1855 Beförderung zum Zwei­ten Oberlehrer, 1861 zum Ersten Oberleh­rer, 1868 Ruhestand. Weyden verfasste Lyrik, Dramen, historische und landeskundliche Schriften.  

Werke

(Auswahl): Das Ahrtal. Ein Führer v. d. Mündung d. Ahr bis zu ihrer Quelle etc., 1835; Geschichte d. Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in d. Rhlden. etc., 1835; Der Lord (Lsp.) 1837; Godesberg, d. Siebengebirge und ihre Um­gebg., 1838; Die neuen Dom­fenster. Ein Weihe-Geschenk Sr. Maj. d. Königs Ludwig I. v. Bayern, 1848; Köln am Rhein vor 50 Jahren. Sittenbilder nebst hist. Andeutungen und sprachl. Erklärungen, 1862; Geschichte d. Juden in Köln am Rhein v. d. Römerzeiten bis auf d. Gegenwart, 1867. In Weydens Werk Cöln’s Vorzeit. Geschichten, Legenden und Sa­gen Cöln’s nebst einer Ausw. cöln. Volkslieder, 1826, erschien die Geschichte von den Heinzelmännchen zu Cöln erstmals in Schriftform.