Heinrich Böll besuchte zwischen 1924 und 1928 die Katholische Volksschule in Köln-Raderthal in der Brühler Str. 204, die 1873 nach Plänen des Architekten Heinrich Müller erbaut wurde. Raderthal gehörte in dieser Zeit noch zur Bürgermeisterei Rondorf im Landkreis Köln. Erst 1888 wurde Raderthal ein Stadtteil von Köln. Anfang des 20. Jahrhunderts und besonders nach dem Ersten Weltkrieg bestimmten gesellschaftliche und politische Umwälzungen nicht nur die Politik, sondern auch die Schule. Es gab Reformideen, die sich allerdings nicht alle umsetzen ließen. Das Schulgeld für die Volksschule wurde abgeschafft, die Prügelstrafe dagegen blieb weiterhin ein erlaubtes und vielfach angewandtes Erziehungsmittel. Acht Jahre dauerte die Volksschulzeit und endete mit dem Volksschulabschluss. Eine weitere Reform war die gemeinsame Grundschule, damit unterschiedliche soziale Schichten zusammenkommen, um so den gesellschaftlichen Problemen durch die sozialen Klassengegensätze entgegenwirken zu können. Hier geht es zum Beitrag.
Kategorie: Aktuelles
Jens Hagen
»Pinguintreffen am Kap der Guten Hoffnung. – Was zieh ich nur an?«

Eine Ausstellung zum 80. Geburtstag
Der Kölner Schriftsteller, Fotograf und Künstler Jens Hagen (1944–2004) wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Zur Erinnerung an ihn und sein Werk findet vom 22. August bis zum 1. September in der Kölner Galerie formformsuche eine Ausstellung statt, die neue Einblicke in sein vielfältiges bildnerisches und literarisches Schaffen gezeigt.

Aus Anlass des 70. Geburtstages und des 10. Todestages präsentierte das Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) bereits 2014 gemeinsam mit der Künstlerin und Ko-Kuratorin Dorothee Joachim, die Ausstellung Jens Hagen – Am Rand der Wörter, die Hagens umfassendes Werk und die Vielfalt seiner künstlerischen Ausdruckformen in den Fokus nahm. Als Schriftsteller fasziniert Hagen durch die Bandbreite seines literarischen Schaffens: vom Express-Reporter über den politischen Journalisten, den Autor von O-Ton-Reportagen, Krimi- und Science-Fiction-Hörspielen und satirischen Kurzgeschichten bis hin zum Lyriker, dem Verfasser langer rhapsodischer Poeme und kurzer Dreizeiler.
Darüber hinaus war Jens Hagen immer auch in verschiedenen visuellen Medien aktiv. In den 1960er und 1970er Jahren wie auch in seinen letzten Lebensjahren entstanden vor allem Fotografien, unter anderem aus dem Bereich der Rock- und Popmusik, in denen das Lebensgefühl der damaligen Zeit wieder lebendig wird. Seine in den 1990er Jahren auf der mechanischen Schreibmaschine getätigten Anschläge verdichten sich zu unlesbaren Texten, zu zarten Werken der Konkreten Poesie. Als sein literarisches Vermächtnis bezeichnete der immer auch politisch engagierte Autor von Hörspielen und Reportagen, Satiren und Haikus sein vierteiliges ›Köln Poem‹. Es erschien 2014 unter dem Titel Nie ankommen im Kölner Sprungturm Verlag von Boris Becker. Neben Porträtfotos aus seinen unterschiedlichen Lebenszeiten und in diversen Arbeitszusammenhängen werden in der aktuellen Ausstellung erstmals einige bisher noch unveröffentlichte Aufnahmen der Kölner Fotografin Hildegard Weber gezeigt, die sie Ende der Siebziger Jahre von Jens Hagen an seinem Schreibtisch in seiner Kölner Wohnung gemacht hat.
Weiterführende Informationen unter:
https://formformsuche.de/ausstellungen/jens-hagen-pinguintreffen
Ausstellungsdauer: 22.8. bis 1.8.2014
Ausstellungseröffnung: 22.8.2024, 16 - 20 Uhr
Finissage: 1.9.2024, 12 - 20 Uhr
Galerie formformsuche
Filzengraben 22 (Innenhof)
50676 Köln

Anderland, das Kölner Festival zur Poesie, findet in diesem Frühling zum dritten Mal statt. An zwei aufeinander folgenden Tagen steht die Lyrik in der Kölner Zentralbibliothek im Zentrum. Zu Gast in der Kölner Stadtbibliothek sind Birgit Kreipe, Steffen Popp und Monika Rinck.
Der erste Abend ist der Dichterin Elke Erb (1938-2024) gewidmet, die zu den wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Poesie der Gegenwart zählte. Ihr innovatives Werk beeinflusste seit Generationen junge Dichterinnen und Dichter.

Dienstag, 14.5.2024, 19.30 Uhr
Nach einer kurzen Begrüßung sprechen die Schriftsteller*innen Steffen Popp und Monika Rinck über Erbs Werk und stellen eine Auswahl ihrer Texte vor, die sie kürzlich gemeinsam im Suhrkamp Verlag unter dem Titel Das ist hier der Fall anlässlich des Georg-Büchner-Preises herausgegeben haben.
Mittwoch, 15.5.2024, 19.30 Uhr
Am zweiten Abend begrüßt Steffen Popp die Autorin Birgit Kreipe. Beide lesen aus ihren neuesten Gedichtbänden, erkunden Gemeinsamkeiten, erzählen von Inspiration und ihren Arbeitsweisen und laden so ihr Publikum zu einem Gespräch über moderne deutsche Dichtung ein.
Elke erb (1938-2024) war eine deutsche Lyrikerin und Übersetzerin. Seit 1968 lebte und arbeitete sie als freie Schriftstellerin in Berlin. Übersetzungen der Texte von Marina Zwetajewa sowie Nachdichtungen überwiegend aus dem Russischen erschienen ab 1974. Erb wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie 1988 den Peter-Huchel-Preis und 2020 den Georg-Büchner-Preis. Ihre Bücher erschienen in kleineren Verlagen und Zeitschriften jenseits des Mainstreams. Seit 1998 publizierte sie vor allem bei dem auf Poesie spezialisierten Urs Engeler Verlag. Sie war Mitglied in der Berliner Akademie der Künste.
BIRGIT KREIPE, geb. 1964 in Hildesheim, lebt in Berlin. Sie schloss eine Buchhändlerlehre sowie ein Studium der Deutschen Literatur und Psychologie in Marburg und Wien ab. 2014 erhielt sie unter anderem den Lyrikpreis München. Zuletzt war sie Stipendiatin der Deutschen Akademie in Rom. Bislang erschienen vier Gedichtbände, ihr aktueller Band aire liegt bei KOOKbooks Berlin vor.
Steffen Popp, geb. 1978 in Greifswald, lebt als Dichter, Literaturwissenschaftler und Übersetzer in Berlin. Popp veröffentliche seit 2004 die Gedichtbände Wie Alpen, Kolonie Zur Sonne, Dickicht mit Reden und Augen und 118. Er erhielt 2014 den Peter-Huchel-Preis und 118″stand zudem 2017 auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse. 2018 wurde Popp in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. 2022 hatte er die Thomas Kling-Poetikdozentur an der Universität Bonn inne.
Monika Rinck, geb. 1969 in Zweibrücken, veröffentlicht Essays, Prosa und Gedichte in Zeitschriften und Anthologien. Ihre Arbeit wurde mehrfach mit Preisen gewürdigt, u.a. mit dem Heinrich-von-Kleist-Preis, dem Ernst-Jandl-Preis und dem Roswitha-Preis. Rinck ist Mitglied in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Künste Berlin. 2016/2017 war sie in Köln Kuratorin des internationalen Festivals Poetica III. Seit 2023 ist sie Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien (KHM) in Köln.
Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) der Stadtbibliothek Köln und der Buchhandlung Klaus Bittner statt.
Veranstaltungsort: Stadtbibliothek Köln Josef-Haubrich-Hof 1 50676 Köln - Altstadt/Süd Tickets über die Buchhandlung Bittner: info@bittner-buch.de, 0221-2574870
Vergangene Veranstaltung
LiK im Fokus
Heinrich Böll und die Musik

Das Thema Heinrich Böll und die Musik mag in der Gesamtbetrachtung des literarischen Werkes des Autors höchstwahrscheinlich nur als Marginalie einzuordnen sein. Dennoch finden sich vor allem im Frühwerk Bölls Spuren, denen das Heinrich-Böll-Archiv in der Zeit vom 25.03.2024 bis 01.05.2024 in einer kleinen Präsentation folgt und in den Fokus der Betrachtung rückt. Auch die persönlichen Kontakte mit Komponisten und Musikern wie Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) oder auch Wolfgang Niedecken werden berücksichtigt.
»Es gibt wohl nichts«, so der Soldat Heinrich Böll, »wovon ich so sehr abhängig bin, was meine Gefühle und Stimmungen so plötzlich und grundlegend ändern und bestimmen kann, wie Musik. Ich bin ihr gleich verfallen.« Heinrich Bölls intensives Bekenntnis zur Kraft der Musik, die für ihn insbesondere im Schaffen der von ihm geschätzten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Ludwig van Beethovens (1770-1827) zum Ausdruck kam, bilden den Ausgangspunkt dieser thematischen Annäherung, in dessen Zentrum Bölls literarische Auseinandersetzung mit Ludwig van Beethoven steht.
Für Böll war nach Zeugnis seiner Briefe und zahlreicher Texte die Musik Beethovens von großer Bedeutung. So schrieb er 1940: »Auf der Welt habe ich nichts so sehr geliebt wie Beethoven; manchmal, wenn ich seine Musik hörte, hatte ich das unmittelbare Empfinden, als sei er mein Bruder oder ein sehr naher Freund; ich bin das, was man ›völlig unmusikalisch‹ nennt; ich verstehe es nicht einmal, ein Musikwerk seinem Aufbau nach zu analysieren; ich kann nur hören und ich höre, höre, höre; oft, wenn ich ein Adagio von Beethoven hörte, weinte ich, ohne es zu wissen, oder ich lachte glücklich wie ein Kind – Kind ist falsch ausgedrückt – bei seinen Scherzi; Beethoven ist mein Element.« 1941 schrieb er von seiner Sehnsucht, »eine schöne und glänzende meisterhafte Novelle zu schreiben, so wie eine Beethoven-Melodie«. Im Frühwerk existieren vier Gedichte, die auch den Titel »Beethoven« aufweisen und noch im postum veröffentlichten letzten Roman Frauen vor Flußlandschaft (1985) spielt Beethoven als Motiv eine zentrale Rolle. Des Weiteren hat sich ein auf Januar 1938 datiertes Gedicht mit dem Titel Menuett von Mozart erhalten, eine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart, neben Beethoven der bei Böll am häufigsten erwähnte Komponist.
Veranstaltungsort: Stadtbibliothek Köln 2. Obergeschoss der Zentralbibliothek, Literaturwelt Josef-Haubrich-Hof 1 50676 Köln - Altstadt/Süd
Friedrich Nietzsche singt im Gürzenich
Vom 4. bis 6. Juni 1865 fand im Kölner Gürzenich das 42. Niederrheinische Musikfest statt. Mochte sich das Fest in der Quantität der Darbietungen und der Qualität des Dargebotenen von vielen anderen unterschieden haben, so dürften die Eindrücke des damals 21jährigen Philologie-Studenten Friedrich Nietzsche (1844-1900), der als Bassist aktiv an dem Musikfest teilnahm, von einem gewissen Interesse sein. Hier geht es zum Beitrag.
Poetica 9 – Festival für Weltliteratur

Die Poetica ist ein internationales Literaturfestival, das seit 2015 jährlich in Köln stattfindet. Es wird von der Universität zu Köln in Kooperation mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und kulturellen Einrichtungen der Stadt Köln veranstaltet und rückt im Besonderen die Lyrik als marginalisierte Gattung der Weltliteratur in den Blickpunkt. Ein Autor bzw. eine Autorin kuratiert und moderiert das Festival und lädt zu einem Leitthema bis zu zehn prominente Dichter*innen aus aller Welt ein. Die Ausgangsidee für die Poetica war, dass Literatur ebenso Wissen formt wie die Wissenschaften und der Vergleich ästhetischer Ideen im Dialog von Dichter*innen und Wissenschaftler*innen einen hervorragenden Zugang zum Verständnis fremder Kulturen und ihrer potentiell unterschiedlichen Antworten auf zentrale Daseinsfragen ermöglicht. Weitere Informationen gibt es hier.

Die Poetica 9 findet vom 22. bis 27. Januar 2024 unter dem Motto »Nach der Natur – Imaginations of Nature Poetry« an verschiedenen Orten, u. a. auch am 25. Januar 2024 in der Kölner Zentralbibliothek, statt. Zu Gast sind Nikola Madžirov aus Nordmazedonien, Liana Sakelliou aus Griechenland und Raphael Urweider aus der Schweiz.
Das aktuelle Gesamtprogramm der Poetica 9 erscheint unter: www.poetica.uni-koeln.de
Heinrich-Böll-Preisträgerin 2023
Kathrin Röggla liest am 30.11.2023 in der Kölner Zentralbibliothek

Den nach dem Kölner Ehrenbürger und Nobelpreisträger Heinrich Böll benannten Preis verleiht die Stadt Köln seit 1985. Am Vorabend der offiziellen Preisverleihung im Historischen Rathaus spricht die diesjährige Preisträgerin Kathrin Röggla in der Kölner Zentralbibliothek über ihr Werk mit der Literaturkritikerin Sandra Kegel.
Bekanntheit erlangte Röggla vor allem als Sprachkünstlerin, die durch ihre Sprachdekonstruktion und den unverkennbaren Stil oft in Zusammenhang mit der ›Wiener Gruppe‹ genannt wird. Unter dem Vorsitz von Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat die Jury in ihrer Begründung unter anderem die stilistische und formale Brillanz im Werk der Autorin hervorgehoben. Darüber hinaus konnte Rögglas gesellschaftspolitische Engagement, »das seinen Ausdruck nicht in Theorie, sondern in dokumentarisch-literarischer Beobachtung findet«, die Jury überzeugen. Exemplarisch dafür sei ihre aktuelle Publikation Laufendes Verfahren angeführt: ein Roman über den von Röggla über Jahre hinweg begleiteten NSU-Prozess. Die Verleihung des Heinrich-Böll-Preises findet am 1.12.2023 im Historischen Rathaus der Stadt Köln statt.
Kathrin Röggla, geboren in Salzburg, studierte Germanistik und Publizistik. Röggla arbeitet als Prosa- und Theaterautorin, verfasst und produziert Hörspiele und akustische Installationen für verschiedene Rundfunkanstalten. Von 2004 bis 2008 unternahm sie Reisen, unter anderem nach Georgien, in den Iran, nach Zentralasien, Japan, in die USA und den Jemen. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise, darunter den Italo-Svevo-Preis, den Anton-Wildgans-Preis und den Arthur-Schnitzler-Preis. Seit 2020 ist sie Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).
Sandra Kegel, geboren in Frankfurt am Main, arbeitet als Journalistin, Literaturkritikerin und Herausgeberin. Seit 2019 ist sie verantwortliche Redakteurin im Feuilleton der FAZ, Mitglied mehrerer Literaturjurys sowie der 3sat-Sendung ›Buchzeit‹.
Eine Veranstaltung des Heinrich-Böll-Archivs der Stadtbibliothek Köln. Kooperationspartner ist das Kulturamt der Stadt Köln
Reservierung unter: Heinrich-Böll-Preis 2023

Anderland, das Kölner Festival zur Poesie, findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. An zwei Tagen steht die Lyrik in der Kölner Zentralbibliothek im Zentrum. Zu Gast sind die Autorinnen Jenny Erpenbeck, Monika Rinck und Uljana Wolf. Der erste Abend ist der österreichischen Dichterin Christine Lavant (1915-1973) gewidmet, die zu den größten deutschsprachigen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts zählt.

Montag, 6.11.2023, 19 Uhr
Zu Beginn zeigen wir den Film Wie pünktlich die Verzweiflung ist (ORF 2023, ca. 45 Minuten), der anlässlich des 50. Todestags von Christine Lavant entstand und den der ORF dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat.
Nach einer kurzen Pause sprechen Jenny Erpenbeck und Monika Rinck über Lavants Werk und stellen eine Auswahl ihrer Texte vor. In der Reihe Bücher meines Lebens hat Jenny Erpenbeck im Verlag Kiepenheuer & Witsch 2023 einen Band über Christine Lavant veröffentlicht, in dem sie die Leser an ihrer Faszination für diese außergewöhnliche Autorin und ihr Werk teilhaben lässt.
Dienstag, 7.11.2023, 19.30 Uhr
Am zweiten Abend des Festivals lesen Monika Rinck und Uljana Wolf aus ihren eigenen Werken.
JENNY ERPENBECK, geb. in Berlin, ist Autorin zahlreicher Romane, Erzählungen und Essays. Ihre Werke sind in dreißig Sprachen übersetzt und wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Independent Foreign Fiction Prize, dem Thomas-Mann-Preis, dem Premio Strega Europeo und dem Internationalen Stefan-Heym-Preis. Zuletzt erschienen die Romane Gehen, ging, gegangen und Kairos.
Christine Lavant (1915-1973), geb. als Christine Thonhauser in St. Stefan im Lavanttal (Kärnten) stammt aus einer armen Bergmannsfamilie, war Lyrikerin und Erzählerin. Ihre Schulbildung musste sie aus gesundheitlichen Gründen früh abbrechen. Jahrzehntelang bestritt sie den Familienunterhalt als Strickerin. Sie erhielt u. a. den Georg-Trakl-Preis (1954 und 1964) und den Großen Österreichischen Staatspreis (1970).
Monika Rinck, geb. in Zweibrücken, veröffentlicht Essays, Prosa und Gedichte in Zeitschriften und Anthologien. Ihre Arbeit wurde mehrfach mit Preisen gewürdigt, u.a. mit dem Heinrich-von-Kleist-Preis, dem Ernst-Jandl-Preis und dem Roswitha-Preis. 2016/17 war sie in Köln Kuratorin des internationalen Festivals Poetica III. Seit 2023 ist sie Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien (KHM) in Köln.
Uljana Wolf, geb. in Berlin, ist Lyrikerin und Übersetzerin. Sie veröffentlichte vier Gedichtbände, den Essayband Etymologischer Gossip, der 2022 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik ausgezeichnet wurde. Ihr Werk wurde in über 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis. 2022 kuratierte sie die Poetica VI in Köln.
Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) der Stadtbibliothek Köln, der Buchhandlung Klaus Bittner und dem Institut für Deutsche Sprache und Literatur I der Universität zu Köln statt.
Veranstaltungsort: Stadtbibliothek Köln Josef-Haubrich-Hof 1 50676 Köln - Altstadt/Süd Tickets über die Buchhandlung Bittner: info@bittner-buch.de, 0221-2574870
Vergangene Veranstaltung
lik aktuell
60 Jahre »Ansichten eines Clowns« von Heinrich Böll

Anlässlich der Erstveröffentlichung von Heinrich Bölls Roman Ansichten eines Clowns (1963) gewährt das Heinrich-Böll-Archiv vom 29. Juli bis 23. Oktober 2023 Einblick in die Publikations- und Rezeptionsgeschichte des Romans. Deutsche und internationale Buchausgaben sind ebenso zu sehen, wie eine Zusammenstellung verschiedener Adaptionen des Stoffes.
Heinrich Böll konzipierte Ansichten eines Clowns nach dem Vorbild des griechischen Mythos von Theseus und dem Minotaurus, der in einem Labyrinth gefangen gehalten wurde, und zeichnete darin das berufliche und private Scheitern des »Romanhelden« nach. Die Handlung des Romans erstreckt sich über einen Abend, in dem der Protagonist Hans Schnier in seiner Wohnung sitzt und betrunken, bedürftig und von seiner Freundin verlassen mit Verwandten und Bekannten telefoniert, um sie um emotionale und finanzielle Unterstützung zu bitten. Bei diesen erfolglosen Bemühungen läuft er allerdings, wie in einem Labyrinth, gegen Wände.
In Rückblenden schildert Hans Schnier seine Lebens- bzw. Leidensgeschichte. Er wuchs in vermögenden Verhältnissen auf und hätte in dem Unternehmen seines Vaters Karriere machen können. Aber Ereignisse in der Kriegszeit sorgten mit dafür, dass er sich Mitte der 1950er Jahre, kurz nach seinem Abitur mit seiner Mutter überwarf und das Elternhaus verließ. Er verliebte sich in Marie, die aus einfachen Verhältnissen stammte und in einem katholischen Milieu aufwuchs. Nachdem Hans und Marie einige Zeit, ohne verheiratet zu sein, zusammenlebten, wurde der Druck auf Marie von ihrem stark katholisch geprägten Umfeld so stark, dass die Beziehung zu Hans letztlich scheiterte. Die satirische Darstellung des »stark katholisch geprägten Umfeldes« führte beim Erscheinen des Buches zu heftigen Kontroversen und retrospektiv bezeichnete Böll das Buch als einen »historischen Roman«. Dennoch kann das Buch – unabhängig von der Zeitgenossenschaft – als Konflikt zwischen Individuum und Institution verstanden werden und diese Kontroverse ist zeitlos, wie auch die gescheiterte Liebesbeziehung zwischen Hans und Marie.
Veranstaltungsort: Stadtbibliothek Köln 2. Obergeschoss der Zentralbibliothek, Literaturwelt Josef-Haubrich-Hof 1 50676 Köln - Altstadt/Süd

Am 29. Dezember 1972 ehrte die Stadt Köln Heinrich Böll mit einem Empfang im Hansasaal des Historischen Rathauses. Anlass der Ehrung war die Verleihung des Nobelpreises für Literatur, den der Preisträger nur wenige Tage zuvor am 10. Dezember in Stockholm überreicht bekam. Im Hansasaal kam es an jenem Abend zu einem für alle anwesenden Gäste unerwarteten Geständnis Bölls. Welche Rolle dabei die Ratsherrenfiguren spielten, lässt sich im folgenden Beitrag nachlesen.
