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Aktuelles Literaturfestivals

Anderland I – Festival der Poesie

Federico Italiano liest am 15. Mai 2023 Gedichte aus seinem Buch Sieben Arten von Weiß auf Italienisch und Raoul Schrott und Jan Wagner tragen ihre jeweiligen Übersetzungen der Texte vor. Italiano gehört laut der Zeitung La Repubblica zu den »stärksten Lyrikern seiner Generation«. Seine Gedichte verbinden auf höchst originelle Weise Naturbetrachtung mit weltumspannend postmodernen Bildern, in denen exotische Riesenkrabben ebenso auftauchen wie nigerianische Scrabble-Weltmeister. Seine spielerisch elegante Lyrik sucht auch den Dialog mit anderen Poeten, ob man sich mit Ted Hughes zum Kaffee verabredet oder Brodsky ein Postskriptum schreibt. Sieben Arten von Weiß versammelt die schönsten Gedichte von Federico Italiano.

Am 16. Mai 2023 stehen die Bücher von Raoul Schrott Inventur des Sommers und Jan Wagners Neuübersetzung von Unterm Milchwald von Dylon Thomas im Mittelpunkt.  

Lockdowns und Krieg haben in der Gegenwart große Lücken aufklaffen lassen. Raoul Schrotts formensprengende Gedankengedichte erkunden, wie sehr unser Denken, Handeln und Fühlen vom Absenten geprägt ist. Vermag es die Poesie, das Verlorengegangene wiederzubringen? Was bleibt und was lassen wir zurück, wenn wir gehen? Kunstvoll, klug und sinnlich rückt dieser zwischen Essay und Lyrik mäandernde Band ein buntes Kaleidoskop jener zersprungenen Momente vor Augen, die das Leben ausmachen.

Das legendäre Werk Unterm Milchwald des walisischen Dichters Dylan Thomas liegt in einer neuen Übersetzung von Jan Wagner vor, der das Werk als das schönste Stück Literatur bezeichnet, »das jemals über den Äther lief«. Der Morgen beginnt in dem kleinen Fischerdorf Llareggub an der walisischen Küste. Wir folgen den Bewohnern in ihre Träume, wir sitzen in den Stuben, hören die Gespräche in einer Schenke, schauen in die Brautkammern unverheirateter Mädchen und folgen den heimlichen Liebespaaren hinauf in den Milchwald.

Buchumschlag Dylon Thomas

Federico Italiano, 1976 in Novara geboren, lebt als Lyriker, Übersetzer und Herausgeber in Wien, wo er an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften forscht. An der LMU München ist er Dozent für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Seine Lyrik wurde unter anderem 2020 mit dem Tirinnanzi-Preis ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Bei Hanser gab er 2019 mit Jan Wagner die Anthologie „Grand Tour. Reisen durch die junge Lyrik Europas“ heraus.

Raoul Schrott, geboren 1964, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Peter-Huchel-Preis. Bei Hanser erschienen 2018 der Essayband Politiken & Ideen und 2019 der Roman Eine Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal. Schrott arbeitet zurzeit im Auftrag der Stiftung Kunst und Natur an einem umfangreichen Atlas der Sternenhimmel. 2023 wird er die Ernst-Jandl-Dozentur der Universität Wien innehaben.

Jan Wagner wurde 1971 in Hamburg geboren und lebt in Berlin. Zuletzt erschienen Die Life Butterfly Show (2018) sowie die Essaybände Der verschlossene Raum (2017) und Der glückliche Augenblick (2021). Für den Gedichtband Regentonnenvariationen (2014) gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse, 2017 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Dylan Thomas, 1914 in Swansea geboren, 1953 in New York gestorben, arbeitete ab 1934 für Zeitschriften und die BBC in London. 1949 zog er sich in den kleinen walisischen Fischerort Laugharne zurück. Er schrieb Gedichte, Essays, Briefe, Drehbücher, autobiographische Erzählungen und das Stück Unterm Milchwald, das postum mit dem Prix Italia 1954 ausgezeichnet wurde.

Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) der Stadtbibliothek Köln, der Buchhandlung Klaus Bittner und dem Institut für Deutsche Sprache und Literatur I der Universität zu Köln statt.

Veranstaltungsort:
Stadtbibliothek Köln
Josef-Haubrich-Hof 1
50676 Köln - Altstadt/Süd
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LiK.Map Literaturfestivals

Poetica – Festival für Weltliteratur

Eingang zum Hauptgebäude der Universität zu Köln, 2019 © Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman

Die Poetica ist ein internationales Literaturfestival, das seit 2015 jährlich in Köln stattfindet. Es wird von der Universität zu Köln in Kooperation mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und kulturellen Einrichtungen der Stadt Köln veranstaltet und rückt im Besonderen die Lyrik als marginalisierte Gattung der Weltliteratur in den Blickpunkt. Ein Autor bzw. eine Autorin kuratiert und moderiert das Festival und lädt zu einem Leitthema bis zu zehn prominente Dichter*innen aus aller Welt ein. Die Ausgangsidee für die Poetica war, dass Literatur ebenso Wissen formt wie die Wissenschaften und der Vergleich ästhetischer Ideen im Dialog von Dichter*innen und Wissenschaftler*innen einen hervorragenden Zugang zum Verständnis fremder Kulturen und ihrer potentiell unterschiedlichen Antworten auf zentrale Daseinsfragen ermöglicht.

Charakteristisch für die Poetica ist die Präsenz aller Autor*innen bei den Veranstaltungen der Festivalwoche sowie die Vielfalt ihrer Veranstaltungsorte und Formate, von Diskussionen in der Universität und einer Schreibwerkstatt für Studierende über Lesungen bis zur szenischen Umsetzung von Poesie im Schauspiel Köln. Die literarischen Texte werden bei allen Veranstaltungen in der jeweiligen Originalsprache durch die Autor*innen und in deutscher Sprache durch Schauspieler*innen vorgetragen. Die Moderationen erfolgen in der Regel in englischer und deutscher Sprache. Die Haupttexte und Essays dokumentiert eine Buchpublikation, die zum Auftaktabend der Poetica vorliegt. Von 2015 bis 2021 war die Poetica Teil des Internationalen Kollegs Morphomata.

  • Poetica 1 mit Pia Tafdrup, Adam Zagajewski und Jürgen Becker in der Zentralbibliothek Köln © LiK-Archiv_ Ewenz
  • Poetica 2: Aleš Šteger im Gespräche mit Lavinia Greenlaw in der Zentralbibliothek Köln © Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
  • Poetica 3: Monika Rinck bei der Eröffnung in der Aula der Universität zu Köln © Foto: Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
  • Poetica 5: Aris Fioretos und Christian Kracht im Gespräch © Foto: Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
  • Poetica 6: Herta Müller und Ernest Wichner in der Kulturkirche Nippes © Foto: Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
  • Poetica 6: Jan Wagner © Foto: Universität Köln/Poetica/Ben Knabe
  • Poetica 7: Ain Bailey © Foto: Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
  • Poetica 7: Uljana Wolf, Altes Pfandhaus Köln © Foto: Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
  • Poetica 8: Daniela Danz im Schauspiel Köln, Depot 1 © Foto: Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
  • Poetica 8: Patti Smith mit Christian Filips in der Aula der Universität zu Köln © Foto: Universität Köln/Poetica/Silviu Guiman
Poetica 1 (2015)

Motto: M’illumino/d’immenso / Ich erleuchte mich/durch Unermeßliches
Kurator: Michael Krüger

Programm

  • Yeşim Ağaoğlu (Türkei)
  • Jürgen Becker (Deutschland)
  • Marcel Beyer (Deutschland)
  • John Burnside (Großbritannien)
  • Lars Gustafsson (Schweden)
  • Aleš Šteger (Slowenien)
  • Pia Tafdrup (Dänemark)
  • Yang Lian (China)
  • Adam Zagajewski (Polen)
Poetica 2 (2016)

Motto: Blue Notes
Kurator: Aleš Šteger

Programm

  • Jurij Andruchowytsch (Ukraine)
  • Bernardo Atxaga (Spanien)
  • Heinrich Detering (Deutschland)
  • Lavinia Greenlaw (Großbritannien)
  • Georgi Gospodinow (Bulgarien)
  • Durs Grünbein (Deutschland)
  • Navid Kermani (Deutschland)
  • Michael Krüger (Deutschland)
  • Martin Mosebach (Deutschland)
  • Paul Muldoon (USA)
  • Ilma Rakusa (Schweiz)
  • Monika Rinck (Deutschland)
  • Ana Ristović (Serbien)
  • Sjón (Island)
Poetica 3 (2017)

Motto: Die Seele und ihre Sprachen
Kuratorin: Monika Rinck

Programm

  • Javier Bello (Chile)
  • Michael Donhauser (Luxemburg/Österreich)
  • Nurduran Duman (Türkei)
  • Maricela Guerrero (Mexiko)
  • Gila Lustiger (Frankreich)
  • Angelika Meier (Deutschland)
  • Zeruya Shalev (Israel)
  • Eleni Sikelianos (USA)
  • Galsan Tschinag (Mongolei)
  • Stefan Weidner (Deutschland)
  • Lorenz Wilkens (Deutschland)
Poetica 4 (2018)

Motto: Beyond identities
Kuratorin: Yoko Tawada

Programm

  • Jeffrey Angles (USA)
  • Bei Dao (China)
  • Anneke Brassinga (Niederlande)
  • Teju Cole (USA/Nigeria)
  • Hiromi Itō (Japan)
  • Kim Hyesoon (Südkorea)
  • Barbara Köhler (Deutschland)
  • Morten Søndergaard (Dänemark)
  • Monique Truong (USA/Vietnam)
  • Jan Wagner (Deutschland)
Poetica 5 (2019)

Motto: Rausch / States of Euphoria
Kurator: Aris Fioretos 

Programm

  • Mircea Cărtărescu (Rumänien)
  • Oswald Egger (Deutschland)
  • Christian Kracht (Schweiz)
  • Mara Lee (Schweden)
  • Lebogang Mashile (Südafrika)
  • Agi Mishol (Israel)
  • Marion Poschmann (Deutschland)
  • Jo Shapcott (Großbritannien)
Poetica 6 (2020)

Motto: Widerstand. The Art of Resistance
Kurator: Jan Wagner 

Programm

  • Tadeusz Dąbrowski (Polen)
  • Erik Lindner (Niederlande)
  • Luljeta Lleshanaku (Albanien)
  • Agi Mishol (Israel)
  • Helen Mort (Großbritannien)
  • Herta Müller (Deutschland)
  • Sergio Raimondi (Argentinien)
  • Xi Chuan (China)
  • Serhij Zhadan (Ukraine)
Poetica 7 (2021/2022)

Motto: Sounding Archives – Poesie zwischen Experiment und Dokument
Kuratorin: Uljana Wolf

Programm

  • Swetlana Alexijewitsch (Weißrussland)
  • Ain Bailey (Großbritannien)
  • Don Mee Choi (USA)
  • Yan Jun (China)
  • Fiston Mwanza Mujila (Kongo/Österreich)
  • Carlos Soto-Román (Chile)
  • Maria Stepanova (Russland)
  • Anja Utler (Deutschland)
  • Cecilia Vicuña (USA/Chile)
  • Valzhyna Mort (Weißrussland)
Poetica 8 (2023)

Motto: Das chorische Ich – Writing in the name of
Kurator: Christian Filips

Programm

  • Daniela Danz (Deutschland)
  • Logan February (Nigeria)
  • Lionel Fogarty (Australien)
  • Kim de l’Horizon (Schweiz)
  • Kateryna Kalytko (Ukraine)
  • Els Moors (Belgien)
  • James Noël (Haiti)
  • Patti Smith (USA)
  • Sukirtharani (Indien)
  • Zheng Xiaoqiong (China)
Poetica 9 (2024)

Motto: Nach der Natur – Imaginations of Nature Poetry
Kuratorin: Daniela Danz

Programm

  • Takako Arai (Japan)
  • Ali Abdollahi (Iran)
  • Camille T. Dungy (USA)
  • Kendel Hippolyte (Karibik)
  • Esther Kinsky (Deutschland)
  • Nikola Madžirov (Nordmazedonien)
  • María Paz Guerrero (Kolumbien)
  • Rou Reynolds (Großbritannien)
  • Liana Sakelliou (Griechenland)
  • Raphael Urweider (Schweiz)
Poetica 10 (2025)

Motto: Poetic Thinking and Hospitality
Kuratoren: Günter Blamberger, Uljana Wolf, Michaela Predeick
Programm

  • Lina Atfah (Syrien/Deutschland)
  • Radna Fabias (Curaçao/Niederlande)
  • Hiromi Itō (Japan)
  • Michael Krüger (Deutschland)
  • Lebogang Mashile (Südafrika)
  • Fiston Mwanza Mujila (Kongo/Österreich)
  • Sergio Raimondi (Argentinien)
  • Claudia Rankine (USA)
  • Monika Rinck (Deutschland)
  • Sasha Marianna Salzmann (Deutschland)
  • Sjón (Island)
  • Yoko Tawada (Japan/Deutschland)
  • Aki Takase (Japan)
  • Jan Wagner (Deutschland)
Poetica 11 (2026)

Motto: Soft Magic–Poesie & Weltgestaltung
Kuratorin: Rike Scheffler
Programm

  • Asmaa Azaizeh  (Palästina)
  • Natalie Diaz (USA)
  • Alhierd Bacharevič (Belarus/Deutschland)
  • Haytham El-Wardany (Ägypten)
  • Angélica Freitas (Brasilien)
  • Sarah Howe (Hongkong/Großbritannien)
  • Sofia Jernberg (Äthiopien/Schweden)
  • Ursula Krechel (Deutschland)
  • Mélissa Laveaux  (Haiti/Kanada)
  • Joyelle McSweeney  (USA)
  • Mette Moestrup (Dänemark)
  • Daniela Seel (Deutschland)

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Aktuelles Literaturfestivals

Ein Buch für die Stadt Köln

Die Idee ist ganz einfach und international erfolgreich: Ein Buch, in der Regel ein Roman, wird von einer Jury ausgewählt und durch Lesungen, Vorträge, Diskussionen oder Aufführungen, innerhalb eines begrenzten Zeitraumes im gesamten Stadtraum vorgelesen und präsentiert. Auch ungewöhnliche Veranstaltungsorte und Darbietungsformen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Mit dieser besonderen Buch- und Leseförderungsaktion wird jedes Jahr eine Autorin oder ein Autor in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt.
Jeder kann sich mit einer Aktion beteiligen: Einzelpersonen ebenso wie Literaturzirkel, Vereine, Buchhandlungen, Schulen oder Bibliotheken. Das ausgewählte Buch wird als Sonderausgabe aufgelegt und in den ortsansässigen Buchhandlungen zu einem erschwinglichen Preis verkauft.
Mittlerweile gibt es diese Leseaktionen in fast jeder größeren Stadt. Die Projektidee stammt ursprünglich aus Seattle (USA), 1998 startete dort die überaus erfolgreiche Aktion If All of Seattle Read the Same Book, die schnell von anderen Städten übernommen wurde. Seit 2002 haben sich vergleichbare Aktionen auch im deutschsprachigen Raum etabliert. Vorreiter war Wien mit der Lesekampagne Eine Stadt. Ein Buch, auch in Deutschland wurde die Literaturaktion zeitnah in mehreren Städten unter dem Titel Eine Stadt liest ein Buch umgesetzt.
In Köln findet das Literaturfestival unter dem Namen Ein Buch für die Stadt seit 2003 statt und wird gemeinsam vom Kölner Stadt-Anzeiger und dem Literaturhaus Köln e.V. ausgerichtet. Die Aktion startete erfolgreich mit Irmgard Keuns Buch Das kunstseidene Mädchen.
2017 wurde die neue Lesekampagne Junges Buch für die Stadt ins Leben gerufen, an der sich neben dem Kölner Stadt-Anzeiger und dem Literaturhaus Köln auch die Stadtbibliothek Köln beteiligt. Anlässlich des 100. Geburtstages von Heinrich Böll wurde dessen Glosse Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral, die 2014 als Bilderbuch umgesetzt und von dem französischen Zeichner Émile Bravo illustriert wurde, als Junges Buch für die Stadt ausgewählt.

– GE


Ein Buch für die Stadt Köln von 2003 bis 2025
Ankündigung: Am 17. November 2025, 19 Uhr, ist Claudia Schumacher zu Gast im Interim der Zentralbibliothek, wo sie ihr Buch Liebe ist gewaltig (Buch für die Stadt 2025) im Gespräch mit der Literaturkritikerin und Autorin Gisa Funck vorstellt. 
Informationen unter: Stadtbibliothek Köln