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Heinrich-Böll-Preisträgerin 2025: Heike Geißler

Den nach dem Kölner Ehrenbürger und Nobelpreisträger Heinrich Böll benannten Preis verleiht die Stadt Köln seit 1985. Am Vorabend der offiziellen Preisverleihung im Historischen Rathaus spricht die Preisträgerin Heike Geißler im Interim der Zentralbibliothek über ihr Werk. Ihr Gesprächspartner ist Mathias Zeiske, der das Literatur- und Filmprogramm beim renommierten Berliner Künstler*innenprogramm des DAAD (Deutscher Akademische Austauschdienst) in Berlin leitet.

Die Jury würdigt Heike Geißler für ihre Literatur, die sich mit prekären Arbeitsverhältnissen und dem Optimierungsdruck auseinandersetzt und im Sinne Heinrich Bölls gesellschaftlich relevante Themen behandelt. – Geißler ist eine literarische Stimme, die Wirklichkeit sichtbar macht und Sprachräume für jene öffnet, die meist übersehen werden, heißt es in der Jurybegründung.

Heike Geißler wurde 1977 in Riesa geboren, wuchs dort und in Chemnitz auf und studierte Amerikanistik, Politik und Geographie in Dresden, Hispanistik und Literaturwissenschaften in Halle. Neben dem Heinrich-Böll-Preis wurde sie 2025 ebenso mit dem Klopstock-Preis für neue Literatur und dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet. Geißler lebt in Leipzig.

Mathias Zeiske leitet seit 2019 das Literaturprogramm am Haus der Kulturen der Welt, darunter die Veranstaltungsreihe Alphabet Readings und den Internationalen Literaturpreis. Er ist Mitherausgeber der Buchreihen Volte und Volte Expanded, die bei Spector Books erscheinen. Von 2009 bis 2017 war er leitender Redakteur der Literaturzeitschrift Edit.

Im Kontext der diesjährigen Preisverleihung erscheint der sechste Band der Preisreden in der Schriftenreihe des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln-Archiv (LiK).

Eine Veranstaltung des Heinrich-Böll-Archiv in Kooperation mit dem Amt des Oberbürgermeisters und dem Literaturhaus Köln e.V.

Veranstaltungsort:
Stadtbibliothek Köln
Interim der Zentralbibliothek
Hohe Str. 68-82
50667 Köln - Altstadt/Süd

Die Veranstaltung ist ausgebucht!
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Anderland VI – Festival der Poesie

»Anderland«, das Kölner Festival zur Poesie, findet in diesem Herbst zum 6. Mal statt. An zwei Abenden steht die Lyrik und der 100. Geburtstag von Ernst Jandl im Zentrum. Zu Gast sind diesmal Marica Bodrožić, Kerstin Hensel und Norbert Hummelt. Hier gibt es weitere Informationen.

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»Schöne, wilde Welt« – Anne Dorn in Köln

Neben dem bio­graphischen Werdegang wird vor allem das facettenreiche literari­sche Werk Anne Dorns und ihre Beziehung zu ihrer Wahlheimat Köln gewürdigt. Hier gibt es weitere Informationen über die Publikation.

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Ralf König -Pflaumensturz und Sahneschnitten

Die Knollennasen – unverwechselbar. Die Inhalte – bahnbrechend. Der Zeichner – ein Star.

Wir feiern den 65. Geburtstag des bekannten Comic-Zeichners – und zwar gebührend mit mehr als 100 Seiten Comics, die bisher noch nie auf Deutsch in Buchform veröffentlicht wurden. Eingeladen zur Party sind viele seiner beliebten Figuren: Konrad und Paul natürlich, aber auch Spargel oder Berthold und die Pfundskerle.

65 Jahre Ralf König – das heißt auch: Wir nehmen uns Zeit für einen Rückblick auf sein Leben und Werk. Ralf König führt durch den Abend, selbstverständlich angereichert mit vielen Fotos, Skizzen und Texten, die einen Einblick in sein Leben und seine Arbeit geben.

Ralf König ist 1960 in Soest geboren und hat sein Studium der freien Graphik an der Kunstakademie Düsseldorf absolviert. Ab 1980 veröffentlichte er Comics in diversen Schwulenmagazinen. Seinen Durchbruch hatte er mit Der bewegte Mann (1987), der sowohl als Comic wie auch als Film ein großes Publikum eroberte. Er erhielt vielfache Auszeichnungen und nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, zum Beispiel 2012 im Kölnischen Stadtmuseum zu den Elftausend Jungfrauen bei Das Ursula-Projekt. Seine Comics sind in 18 Sprachen übersetzt worden. 2014 erhielt er den Max-und-Moritz-Preis für sein Lebenswerk und 2017 wurde er mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet.

Eine Veranstaltung des Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) in Kooperation mit der Buchhandlung Klaus Bittner.

Aus gegebenem Anlass zeigen wir bis zum November 2025 auf der 2. Etage im Interim der Zentralbibliothek eine kleine Ausstellung über das Werk von Ralf König.

Veranstaltungsort:
Stadtbibliothek Köln
Interim der Zentralbibliothek
Hohe Straße 68-82
50667 Köln - Altstadt/Süd

Die Veranstaltung ist ausverkauft!
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Das Leben der Annemarie Böll (1910-2004)

Buchvorstellung und Gespräch zum 115. Geburtstag von Annemarie Böll 

Der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll und seine Frau Annemarie bildeten über Jahrzehnte ein Paar, das man heute ein „power couple“ nennen würde. Doch während die Biografie und das literarische Werk des Nobelpreisträgers umfassend rezipiert wurden, fand das Wirken Annemarie Bölls bislang nur geringe Beachtung in der öffentlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung.

Dabei war sie nicht nur Bölls erste, wenn auch informelle Lektorin, sondern auch als Anglistin eine sehr produktive Übersetzerin zahlreicher englischsprachiger Autor*innen wie zum Beispiel J.D. Salinger, Bernhard Shaw, Patrick White und Judith Kerr. Ihr Leben, das fast ein Jahrhundert, zwei Weltkriege und vier politische Systeme umspannte, ist in dem neuen Buch der Berliner Schriftstellerin Tanja Dückers zu entdecken.

Dr. Gabriele Ewenz, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv, Markus Schäfer und Maria Birger, Referent*innen der Heinrich Böll Stiftung, Berlin, diskutieren an diesem Abend über das Leben und Wirken dieser außergewöhnlichen Frau.


Eine Veranstaltung des Heinrich-Böll-Archiv in Kooperation mit der Erbengemeinschaft Heinrich Böll, der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, und dem Lew Kopelew Forum e.V.

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Heinrich Böll: »Erinnerung ist unsere Aufgabe…«

80 Jahre Befreiung und Kriegsende

Das Kriegsende am 8. Mai 1945 war für den Infanteristen Böll ein »Tag der Befreiung«, nicht nur von einem Krieg, in dem er vom ersten bis zum letzten Tag als einfacher Soldat »diente«, sondern auch vom Dritten Reich der NSDAP. Er war 15 Jahre alt, als Adolf Hitler im Januar 1933 die Macht ergriff, 22 Jahre alt, als er 1939 als Gefreiter der Wehrmacht eingezogen wurde und 27 Jahre, als er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde.

Die Jugendzeit in der Nazi-Diktatur und die Kriegsjahre waren Erfahrungen eines bevormundeten Lebens in einem Zwangssystem, die zu elementaren Themen des späteren Schriftstellers wurden. Er schrieb über den Krieg, die Heimkehr und das Leben in den Trümmern, sowohl äußerlich (Ruinen) als auch innerlich (seelische Verfassung, zerstörte Ideale und Werte). Mit seinem »Bekenntnis zur Trümmerliteratur« rechtfertigte Böll sein Anliegen, nach einer »bewohnbaren Sprache in einem bewohnbaren Land« zu suchen. In dem Bekenntnis heißt es:

Es ist unsere Aufgabe, daran zu erinnern, dass der Mensch nicht nur existiert, um verwaltet zu werden – und dass die Zerstörungen in unserer Welt nicht nur äußerer Art sind und nicht so geringfügiger Natur, dass man sich anmaßen kann, sie in wenigen Jahren zu heilen.

Die Arbeit an dieser Aufgabe blieb für Böll bestimmend. In seinen Texten thematisierte er die Frage der individuellen Schuld und betrieb Vergangenheitsaufarbeitung und nicht Vergangenheitsbewältigung.

Dr. Gabriele Ewenz, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv, Markus Schäfer und Maria Birger, Referent*innen der Heinrich Böll Stiftung, Berlin diskutieren über die Bedeutung der Erinnerungsarbeit Bölls und die Vergangenheitsaufarbeitung der deutschen Gesellschaft nach 1945.

Anlässlich der Veranstaltung zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa wird eine Präsentation ausgewählter Archivalien Heinrich Bölls zum Thema gezeigt.

Eine Veranstaltung des Heinrich-Böll-Archiv in Kooperation mit der Erbengemeinschaft Heinrich Böll, der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, und dem Lew Kopelew Forum e.V.

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Hans Bender zum 10. Todestag

Hans Bender © Hans Georg Schwark

Mit einer Buchvorstellung ehrt das Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) Hans Bender, der vor zehn Jahren in Köln starb. Benders facettenreiches Werk, das Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, Aufzeichnungen und Vierzeiler umfasst, steht gleichwertig neben seiner Herausgebertätigkeit. Hans Bender lebte und arbeitete über 50 Jahren in Köln, von hier aus betrieb er bis 1980 die redaktionelle Arbeit der Zeitschrift akzent, die bis heute zu den renommiertesten deutschen Literaturzeitschriften zählt. Durch die Herausgabe von Anthologien hat sich Bender um die Förderung neuer Dichtung verdient gemacht. Sein erstaunliches Gespür für schriftstellerische Qualität verhalf vielen noch unbekannten Autor*innen auf das literarische Parkett.

Michael Krüger, der langjährige Freund und Verleger von Hans Bender schrieb einmal, dass man fünf Bände mit den Zeugnissen aus einem langen Leben mit und für die Literatur füllen könnte. Aus diesem schier unerschöpflichen Material haben Horst Bürger und Walter Hörner unter dem Titel Zeitverwandtschaft. Ein halbes Jahrhundert Literatur in Essays, Rezensionen und Würdigungen (1953-2003) eine Textauswahl zusammengestellt, die chronologisch nach Erscheinungsjahren geordnet fünfzig Jahre umfasst. So entsteht eine Literaturgeschichte ganz persönlicher Art – von dem bedeutsamen Französisch-Deutschen Schriftstellertreffen im Jahr 1953 in Paris bis zur ungewöhnlichen Begegnung mit Thomas Bernhard 2011.

Es sprechen Horst Bürger, Dr. Gabriele Ewenz und Walter Hörner –
Eine Veranstaltung des Literatur-in-Köln-Archiv (LiK) in Kooperation mit der Buchhandlung Bittner.

Veranstaltungsort:
Stadtbibliothek Köln
sprachraum der Stadtbibliothek
Josef-Haubrich-Hof 1a
50667 Köln - Altstadt/Süd

Tickets über die Buchhandlung Bittner:
info@bittner-buch.de, 0221-2574870

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Eine Erinnerung an Albrecht Fabri

Der Schriftsteller und Essayist Albrecht Fabri (1911-1998) hat in der Kölner Literaturlandschaft vor allem als großer Wortkünstler seine Spuren hinterlassen. Michael Kohtes erinnert in seinem Beitrag Schreiben, um etwas zu erfahren an diesen Anachoret der deutschen Nachkriegsliteratur.

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Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio in Köln

St. Clemens, Mülheimer Ufer, um 1900, in: Paul Clemen:  Die Kunstdenkmäler des Kreises Mülheim am Rhein. Bd. 5, Abt. 2. Düsseldorf 1901.

Der Liedersammler und Dichter Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803 – 1869) lebte während seiner Volksschulzeit einige Jahre im Haus seiner Großeltern in Mülheim am Rhein und berichtet in seinen Erinnerungen, wie er an den Vorabenden der ›Mülheimer Gottestracht‹, der Fronleichnamsprozession zu Land und auf den Schiffen im Rhein, am Ufer saß und sich am Spiel der Musiker erfreute, die auf den versammelten Schiffen Volksweisen zum Besten gaben. An anderer Stelle heißt es in seinen Erinnerungen, dass er auf dem ›Köllner Männergesangsfest‹ von 1846 im Gürzenich unter der Leitung seines Freundes Felix Mendelssohn Bartholdy »redlich mitgesungen« hat. – Über das abenteuerliche Leben des Romantikers Anton Wilhelm von Zuccalmaglio schrieb die Kölner Autorin Dorothea Renckhoff für die LiK.map nachfolgenden Beitrag.

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Zum Tod von Jürgen Becker (1932 – 2024)

Jürgen Becker in der Kölner Zentralbibliothek, 2014, © Literatur-in-Köln-Archiv

Der Kölner Schriftsteller und Lyriker Jürgen Becker ist am 7.11.2024 im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Köln-Dellbrück gestorben. Neben Heinrich Böll und Dieter Wellershoff prägte er über viele Jahrzehnte maßgeblich die Kölner Literaturszene.

Wie kaum ein anderer seiner Kölner Schriftstellerkolleginnen oder -kollegen, hat sich Becker mit dem Ort seiner Herkunft und seiner Wirkungsstätte literarisch auseinandergesetzt. Köln und vor allem die Ränder und Umgebungen der Stadt, die Kölner Bucht, markieren größtenteils die Eckpunkte seines Schreibprozesses. »Köln ist eine Stadt, »die in ihrer Widersprüchlichkeit genügend Reize für einen Künstler hat. Es ist für meine Bücher wichtig, daß sie gerade hier entstanden sind.«, so beschrieb Becker das besondere Verhältnis zu seiner Geburtsstadt.

Wie in einem Steinbruch fand der Autor hier sein Material, das er bearbeitete, drehte und wendete, immer wieder neu betrachtete, variantenreich modellierte und auf seine Tauglichkeit hin untersuchte. Auf diese Art und Weise entstanden außergewöhnliche, sehr eigene Prosaarbeiten und Gedichte, die einerseits im Humus des vertrauten Terrains verwurzelt sind, andererseits aber weit über den Horizont des Lokalen hinausweisen. 

Bereits in seinem ersten Prosawerk Felder (1964), einem der experimentellen Literatur verpflichteten Text, wird ein vielschichtiges Spektrum vom Leben einer Person in Köln gezeichnet. »Der Titel ist malerisch, so beschrieb Heinrich Böll kurz nach Erscheinen über das Buch, »er könnte auch, wandelte man ihn in ›Planquadrate‹ um, der Landvermessersprache entnommen oder strategischen Ursprungs sein; die Anordnung der Texte ist musikalisch, deren Qualität poetisch, ihr Gegenstand: Köln. Die Lokalisierung erfolgt deutlich: ›Sankt Kunibert läutet‹, ›Werheits Hund‹, ›Werheits Hof‹, und natürlich, ›da rasselt unterm Pflaster römisches Gebein‹.« Neben seiner literarischen Tätigkeit leitete Becker fast 20 Jahre die Hörspielredaktion des Deutschlandfunks in Köln. Die Stadt Köln verlieh ihm zweimal die höchste städtische Auszeichnung für Literatur: 1968 den Kölner Literaturpreis und 1995 den Heinrich-Böll-Preis.

Mit seinem lyrischen Werk gehörte Becker zu den wichtigsten Autoren der Gegenwart. Noch in diesem Jahr erschien der Band Nachspielzeit. Sätze und Gedichte, in dem Becker in seinem unverwechselbaren Sound sein literarisches Schreiben fortsetzte. Die Buchvorstellung, die in Kooperation des Literatur-in-Köln Archiv (LiK), dem Literaturhaus Köln e.V. und der Buchhandlung Klaus Bittner, am 28. August 2024 stattfinden sollte, musste leider aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden.

Dem Literatur-in-Köln-Archiv war Jürgen Becker über viele Jahrzehnte eng verbunden. Zahlreiche Buchvorstellungen und Veranstaltungen wurden über die Jahre gemeinsam in den Räumen der Kölner Zentralbibliothek realisiert. Die langen Gespräche auf dem dunkelgrünen Ledersofa in Brück bleiben der Autorin in Erinnerung. Ein Zeichen dieser Verbundenheit konnte u. a. in den Publikationen Lokalseiten und Gelegenheiten zum Ausdruck gebracht werden.

Gabriele Ewenz

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