Anlässlich der Verleihung des Heinrich-Böll-Preises an die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller entstand erstmals in der Geschichte der Preisverleihung eine Publikation, in der die Preisreden aller Beteiligten veröffentlicht werden konnten.
Zukünftig werden diese Dokumentationen im Rahmen der Schriftenreihe des Literatur-in-Köln-Archivs (LiK) und des Heinrich-Böll-Archivs erscheinen. Das Kulturamt der Stadt Köln unterstützt die repräsentative Publikation, die über den Buchhandel zu beziehen ist.
Der Heinrich-Böll-Preis ist die höchste und renommierteste Auszeichnung, die von der Stadt Köln vergeben wird. Im Gedenken an den Kölner Ehrenbürger und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll verleihen wir seit 1985 den nach ihm benannten Preis für herausragende schriftstellerische Leistungen der deutschsprachigen Literatur. Dieses Ereignis wird international mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen.
hbp 05: Kathrin Röggla. Heinrich-Böll-Preis 2023
Über die Verleihung des Heinrich-Böll-Preises an die gebürtige Salzburgerin Kathrin Röggla entschied am 28. Juni 2023 eine Jury, der neben Oberbürgermeisterin Henriette Reker sowie Vertreter*innen aus Rat und Verwaltung als Fachjuror*innen Marion Brasch, Prof. Dr. Christof Hamann, Guy Helminger, Jackie Thomae, Andreas Platthaus und Ilija Trojanow angehören. In ihrer Verlautbarung betonte Henriette Reker, dass das Votum für Kathrin Röggla trotz starker Konkurrenz eindeutig ausfiel. Röggla sei eine Autorin ganz im Sinne Heinrich Bölls, da sie sich engagiert mit aktuellen gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzt.
»Kathrin Röggla ist eine Schriftstellerin, die mit drei Adjektiven beschrieben werden kann: engagiert, interessiert, elaboriert«, heißt es in der Begründung der Jury. »Allen ihren Texten gemeinsam ist neben deren stilistischer und formaler Brillanz das gesellschaftspolitische Engagement, das seinen Ausdruck nicht in Theorie, sondern in dokumentarisch-literarischer Beobachtung findet. Exemplarisch dafür sei ihre aktuelle Publikation Laufendes Verfahren angeführt: ein Roman über den von Röggla über Jahre hinweg begleiteten NSU-Prozess,« der als einer der wichtigsten deutschen Gerichtsprozesse seit der Wiedervereinigung gilt. Rögglas Interesse an dem, was deutsche Gegenwart (auch Geistesgegenwart) erfordert und ausmacht, verbindet sie mit Heinrich Böll. Eleganz und Präzision ihres Schreibens setzen Maßstäbe«, heißt es weiter in der Jurybegründung.
Einblicke in den Entstehungsprozess ihrer Werke ermöglichte Röggla am Vorabend der offiziellen Preisverleihung in der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Köln, dort wo auch das Heinrich-Böll-Archiv beheimatet ist. In einem Werkstattgespräch mit der Literaturkritikerin Sandra Kegel, das in Auszügen im vorliegenden Band nachzulesen ist, vertiefte Röggla die verschiedenen Aspekte ihres Schreibens, im Zentrum stand auch hier der Roman Laufendes Verfahren.
Der Band beinhaltet die Dankesrede der Preisträgerin, die Laudatio von Ulrich Peltzer sowie einen Auszug aus dem Gespräch zwischen der Autorin und Sandra Kegel.
hbp 05 – Kathrin Röggla. Herausgegeben von: Stadtbibliothek Köln. Ausgewählt, zusammengestellt und bearbeitet von Gabriele Ewenz. Köln: Verlag der Buchhandlung Klaus Bittner, 2024.
Preis: 10 Euro, ISBN 978-3-926397-64-5
