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Wohnorte von Heinrich Böll

Belvederestraße

Wohnhaus der Familie Böll in der Belvederestraße 35 © Erbengemeinschaft Heinrich Böll

Von Juli 1954 bis 1969 wohnten Annemarie und Heinrich Böll, die Kinder Raimund, René, Vincent sowie der Vater Viktor und die Schwester Mechthild Böll in einem neuerrichteten Haus in der Belvederestraße 35 im Stadtteil Müngersdorf.

Erste Pläne für einen Hausbau entstanden bereits im Dezember 1952, da die Wohnverhältnisse in der seit 1946 bewohnten Schillerstraße für die Familie zu beengt geworden waren. Im Sommer 1953 wurde mit dem Bau des neuen Domizils in Köln-Müngersdorf begonnen. Das Gebäude hob sich nicht nur mit dem unverputzten Mauerwerk von den Nachbarhäusern ab, sondern auch durch seine Architektur mit der Verwendung eines Pultdaches. Durch den Hausbau entstand eine angespannte Finanzlage und Böll versuchte das Budget durch Lesungen und Tagungen aufzubessern. Für den Zeitraum vom September 1954 bis zum Dezember 1955 bestritt er mehr als 51 Lesungen. Zwischen den vielen Reisen fand er in dem Haus dennoch nicht die Ruhe für komplexere Arbeiten, etwa die Romanprojekte. Für diese Arbeitsphasen mietete er sich zunächst Wohnungen in der Innenstadt oder in anderen Stadtteilen, etwa in Lövenich. Anfang der 1960er Jahre baute er in seinem Garten eine Holzlaube, vielmehr ein Arbeitszimmer, in das er sich für die Arbeit zurückziehen konnte. In einem Rundfunkbeitrag mit dem Titel Stichwort äußert sich Böll 1964 recht ausführlich zu seiner Müngersdorfer »Örtlichkeit«:

»Der Vorort, in dem wir wohnen, ist immer noch Dorf. Kaum fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, erhält sich die Dörflichkeit aus geographischen Gründen. Jedenfalls im oberen Teil des Dorfes. […] Große Bauernhöfe, die schon lange nicht mehr als solche betrieben werden, alte Bäume, von denen einer – das sind Einzelheiten, wie die Kinder sie aus dem Heimatkundeunterricht mitbrachten –, von denen einer als die zweitgrößte Rotbuche Nordrhein-Westfalens bezeichnet wird: ein wahrhaft majestätischer Baum. Wir sehen ihn vom Fenster aus; er steht ungefähr an der Stelle, von der aus, wie die Dorflegende berichtet, Napoleon, als er hier einmarschierte, auf das ihm zu Füßen liegende Köln geblickt haben soll.«

Heinrich Böll: Stichwort: Örtlichkeit, 1964

1969 zogen Annemarie und Heinrich Böll und die drei Söhne wieder in die Innenstadt in die Nähe des Rheins:

»Fast fünfzehn Jahre lang wohnten wir zu weit von ihm entfernt, war der Rhein nur Ausflugsziel. In seiner permanenten, wer weiß wie alten Vergänglichkeit sagt er nichts, indem er für sich selbst spricht; er ist beruhigender als das Rasenmäherkonzert.«

Heinrich Böll: Hülchrather Straße, 1972

Besonders störend für Böll waren neben dem oft angeprangerten Autolärm, die ruhestörenden Geräusche von Rasenmähern, die für ihn Anlass genug boten, um aus der ländlichen Idylle zurück in die »Großstadtschluchten« zu ziehen: »[…] vielleicht zieht man nur um, um den mißlichen Zwang eines dauernd nach Pflege schreienden Rasens loszuwerden«.

2007 ließ der Bürgerverein Köln-Müngersdorf eine bronzene Gedenktafel anlässlich des 90. Geburtstages des Schriftstellers an der Mauer vor Bölls Haus in der Belvederestraße anbringen.

Markus Schäfer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Literatur

Siehe: Böll: Hülchrather Straße, S. 77-78; Stichwort, S. 298.

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Taubenbrunnen

1950 entwarf der Bildhauer Ewald Mataré (1887–1965) eine dezent anmutende Brunnenanlage, die als Ort des Verweilens für Mensch und Tier konzipiert wurde.

»Für Köln mache ich den Vorschlag eines Brunnens für die Domtauben, die vor dem Bahnhof von den Fremden gefüttert, nun endlich auch eine Trinkgelegenheit bekommen sollen«,

Einweihung des Brunnens durch Ewald Mataré © Kölner Stadt-Anzeiger

notierte der Bildhauer am 17.4.1950 in sein Tagebuch. Die Grundsteinlegung erfolgte jedoch erst zwei Jahre später, obwohl das Geld lange vorhanden war, »aber die Behörden häufen Papier auf Papier, ehe die Genehmigung erfolgt«. Vorgesehen war der Brunnen ursprünglich für den Bahnhofsvorplatz. Da das Gebiet jedoch nicht zum Besitz der Stadt Köln gehört, erfolgte die Aufstellung vor dem Gebäude der Bank für Gemeinwirtschaft, die das Kunstwerk stiftete. Nur wenige Wochen nach der Grundsteinlegung konnte die gestaltete Brunnenplastik am 4. August 1953 der Öffentlichkeit und der Obhut der Stadt übergeben werden. Mit Paloma und Schabau, so betitelte die »Kölnische Rundschau« ihre Berichterstattung über das Ereignis, wurde Matarés Brunnen abends, um 20 Uhr, eingeweiht. Paloma, das Lied von der weißen Taube, erklang ›volkstümlich‹ auf der Trompete intoniert, vor den Türmen des Domes. Mataré verlas die Einweihungsurkunde, die besagte, dass am Fuße des Domes der Taubenbrunnen in die Hände der Stadt Köln übergeben werde. Neben dem humanitären Gedanken wolle man hier auch etwas für die Tiere tun. Im Anschluss wurde die Urkunde in den quadratischen Basaltblock, der als Wasserspender dient, eingebettet. – Die kreisrunde Brunnenschale mit einem spiralförmigen zur Mitte fließendem Wasserlauf, besteht aus Eisen und ist von einem einfachen ovalen Plattenmosaik in blauen, schwarzen und grauen Tönen eingebettet. Eine auf gusseisernen Füßen getragene Eisenstange umfasst das Mosaik an der westlichen und östlichen Seite. Der Taubenbrunnen ist Kölns erster abstrakter Brunnen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Kölner Autor Hans Bender kommentierte in einem für ihn typischen Gedicht in vier Zeilen, mit feinem ironischem Blick, das alltägliche Geschehen am Taubenbrunnen:

https://literaturinkoeln.de/wp-content/uploads/2021/03/bender_taubenbrunnen.mp3
Taubenbrunnen vor dem Kölner Dom, gelesen von Joachim Rönneper
© Hans Bender und Joachim Rönneper
Jürgen Becker: Felder. Frankfurt/M. 1964

1963 schafften es die Kölner Tauben sogar in die überregionalen Zeitungen. Anlass für die Berichte war die »Aktion Taubentod«, eine gezielte Kampagne von Seiten der Stadtverwaltung, um die rasant angestiegene Tauben-Population wieder in den Griff zu bekommen und somit die Bevölkerung vor durch Tauben verursachte Gesundheitsschäden zu bewahren. Mit Hilfe von Blausäure getränkten Brotkrumen sollten die Tiere um die Hälfte reduziert werden, eine Methode, die ›erfolgreich‹ auch in anderen Städten angewandt wurde, brachte jedoch die Tierschützer auf die Barrikaden, denn tausende Tauben fanden auf diese Weise einen qualvollen Tod. Heftig wurde die Debatte in den Lokalnachrichten geführt. Mit seinem experimentellen Prosawerk Felder, in dem Jürgen Becker die Gespräche und Geräusche seiner unmittelbaren Umgebung einfing und Köln und die Stadtgesellschaft der 1960er Jahre nachzeichnete, griff der Autor auch die hitzig geführte Debatte um die Blausäureaktion und den Taubenbrunnen von Ewald Mataré auf. Auch Armin Foxius würdigte den Brunnen in einem kurzen literarischen Portrait.

– GE

Literatur: Mataré: Tagebücher, S. 371, S. 394.

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Wohnorte von Dieter Wellershoff

Mainzer Straße

Dieter Wellershoff vor der Haustür seiner Wohnung in der Mainzer Straße, um 1990

1978 war Dieter Wellershoff finanziell in der Lage eine Wohnung in einem heute unter Denkmalschutz stehenden Haus in der Mainzer Straße zu kaufen. Das Stadtbild in der Kölner Südstadt ist nach wie vor durch historische Fassaden aus der Gründerzeit geprägt. Damit ist die Südstadt einer der wenigen Bereiche in Köln, in dem es noch eine zusammenhängende historische Bebauung gibt. Ein Beispiel hierfür ist die attraktive Mainzer Straße, bei der zusätzlich noch der ursprünglich im Köln der Vorkriegszeit viel stärker verbreitete Alleencharakter erhalten ist. Als die Stadt Köln 1991 Baumfällarbeiten in der Straße veranlasste, kam es zu einer Protestaktion der Anwohner. Um ein Zeichen zu setzen, übernahm Wellershoff die Patenschaft für eine neu gepflanzte Robinie.

»In der Mainzer Straße blühen die Robinien. Die mattweißen Blütengehänge in dem lichten Laub sehen im Schein der Straßenlampen weich und locker aus wie große Schaumtropfen. Nehmen wir an, dies ist ein üppiges Blütenjahr, und die alten Bäume zeigen wieder einmal, was in ihnen steckt.«

Dieter Wellershoff: Pan und die Engel (1990)
Buchumschlag der Erstausgabe

Wellershoff zog von Sülz in ein Viertel, das für den Autor bis zu seinem Tod (2015) nicht nur Lebensmittelpunkt, sondern auch Inspirationsquelle war. Die Kölner Südstadt wurde zu seinem »Biotop«. Hier entstand der größte Teil seines literarischen Werkes. Viele Schauplätze, die er in seinem Roman Der Liebeswunsch beschrieb, liegen im Römerpark und dessen Umgebung. Eine Hommage an Köln und insbesondere an die Südstadt ist sein Buch Pan und die Engel, in dem er sein Revier neugierig durchstreift. Es liegt zwischen der »Bonner Straße und der Rheinuferstraße, wird im Süden von dem Bahndamm begrenzt.« Im Norden stößt es an das Stollwerkviertel und führt von der Bottmühle zur Severinskirche und noch ein Stück in die Severinstraße hinein. Wellershoff war endlich angekommen, im Vergleich zu seinen früheren Wohnorten fand er für sein Schreiben in der neuen Wohnung optimale Arbeitsbedingungen:   

»Die Wohnung ist genau das, was wir brauchen. Vorne, zur Straße hinaus, liegen die Wohnräume. Von dort führt ein langer, zweimal um die Ecke biegender Gang, an dem noch zwei Zimmer liegen, zu meinem Arbeitszimmer. Es ist das erste, das groß, ausreichend heizbar und im Sommer nicht zu warm ist. Obwohl das eine Großstadtwohnung ist, die noch im näheren Umkreis der Kölner Innenstadt liegt, ist es erstaunlich still hier. In meinem Arbeitszimmer höre ich keinen Lärm, sondern nur ausdrucksvolle, man könnte auch sagen erzählerische Geräusche. Wenn der Wind entsprechend steht, höre ich nachts die Güterzüge über die Südbrücke rollen, bei Nebel tuten auf dem Rhein die Lastschiffe wie riesenhafte Seekühe, die einander anmuhen. An hohen kirchlichen Feiertagen tönen von ferne die Domglocken herüber und aus der Nähe die von St. Severin. Sonntagmorgens bimmelt das helle Glöckchen des Karmeliterinnenklosters und ruft ein paar Hausnummern weiter die kleinen alten alten Nonnen zur Andacht, denen ich häufig in der Straße begegne.«

Dieter Wellershoff: Die Arbeit des Lebens (1985)

– GE

Literatur: Wellershoff: Pan und die Engel, S. 293f.; Die Arbeit des Lebens, S. 239f.

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Unter Krahnenbäumen

Buchumschlag von Chargesheimer: »Unter Krahnenbäumen«, Köln 1958

Der Kölner Fotograf Chargesheimer (1924-1971) veröffentlichte 1958 den Bildband Unter Krahnenbäumen – Bilder aus einer Straße« mit einem autobiographischen Nachwort von Heinrich Böll. Der Band erzählt in Bildern die Geschichte einer Straße im Ablauf eines Jahres. ›UKB‹, wie die Straße auch genannt wird, gilt als Inbegriff des ›alten Kölns‹. Chargesheimer zeigte mit den Mitteln der Fotografie den Alltag und die Festtage der Menschen, die in dieser Straße lebten. Weit davon entfernt, das Spektakuläre zu sehen, hält er mit seinen Bildern menschliche Schicksale fest, dokumentiert Einsamkeit und Gemeinschaft der Bewohner dieses Viertels. Bölls Nachwort Straßen wie diese fasst mit den Mitteln der Poesie, was Chargesheimer bildkünstlerisch gestaltete:

»Durch Straßen wie diese führte mein Schulweg, sieben Jahre lang; viele tausend Male bin ich durch solche Straßen gegangen, aber nie in sie eingedrungen; erst viel später – in der Erinnerung begriff ich, was Straßen wie diese bedeuten, ich begriff es, wie man plötzlich Träume begreift, wenn ich in fremden Städten stundenlang durch Straßen ging und eine wie diese suchte, aber nicht fand.«

Heinrich Böll: Straßen wie diese (1958)

Der durch Böll und Chargesheimer formulierte Charakter der Straße ging durch den Bau einer Schnellstraße, der sogenannten Nord-Süd-Fahrt, verloren. Die Herkunft des Straßennamens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Anfang des 19. Jh. hieß die Straße noch »Hinter Cranenbaumen«. Der Cranenboym war ein mittelalterlicher Ausdruck für den Wacholderbaum, auf dem sich gerne Krähen niederließen. Möglich ist auch ein Bezug zu dem in diesem Bereich dokumentierten Gutshof »Zum Kranich«, auch Krahnenhof genannt. Musikalische Denkmäler wurden der Straße u. a. von Willi Ostermann mit seinem kölschen Heimatlied Kinddauf-Fess Unger Krahnebäume (1909) und von der Gruppe BAP errichtet, deren Lied Unger Krahnebäume als melancholischer Abgesang auf das Eigelsteinviertel zu verstehen ist.

– GE

Literatur: Böll: Straßen wie diese, S. 427.

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Thomas von Aquin in Köln

Wetterfahne auf dem Maternussaal © Stadtbibliothek Köln/LiK-Archiv

An der Rückseite des Maternushauses in der Tunisstraße, liegt der oktogonale und auf Grund des hohen und damit lauten Verkehrsaufkommens der Nord-Süd-Fahrt fast fensterlose Maternussaal, ein Veranstaltungsort, welcher Platz für bis zu 500 Personen bietet. Auf der Spitze des Maternussaals befindet sich eine Kugel, die eine Wetterfahne des Kölner Metallbildhauers Paul Nagel (1925-2016) ziert. Dargestellt ist ein Ochse. Die Fahne verweist auf den italienischen Kirchenlehrer und Dominikaner Thomas von Aquin, der mehrere Jahre in Köln an der Seites seines Lehrers Albertus Magnus gelehrt hat. Wegen seiner Schweigsamkeit und seiner stattlichen Figur wurde er von seinen Kommilitonen der »Der stumme Ochse von Aquino« genannt. Der Legende nach soll sein Lehrer Albertus mit Blick auf seine besonderen Fähigkeiten, sich meisterhaft auszudrücken, folgenden Ausspruch geprägt haben:

»Sie nennen dich zwar einen stummen Ochsen, aber du wirst noch ein solches Gebrüll von dir geben, dass es in der ganzen Welt ertönt.«

Albertus Magnus über Thomas von Aquin

Beeindruckt von dieser Geschichte haben die Kölner den stummen Ochsen in Form der Wetterfahne auf das Maternushaus gesetzt. Eine weitere Spur des Gelehrten findet sich in der Handschriftenabteilung der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln, die ebenfalls zum Komplex des Maternushauses gehört. Erst vor wenigen Jahren wurde hier eine mittelalterliche Handschrift entdeckt, die Thomas von Aquin zugeschrieben wird.

– GE

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Epithaph von Johannes Duns Scotus

Minoritenkirche

Ein gebürtiger Kölner war er nicht, der Schotte Johannes Duns Scotus, dennoch pilgerten die Menschen in Scharen in die Kölner Minoritenkirche, um an seinem Grab ihre Verehrung für den großen Scholastiker und Kirchenmann zum Ausdruck zu bringen. – Die dreischiffige hochgotische Basilika St. Mariä Empfängnis wurde 1245 von den Franziskaner-Minoriten, die seit 1229 in Köln lebten, erbaut. Die karg ausgestattete Klosterkirche ohne Turm und Querhaus konnte erst im 14. Jh. vollendet werden. Als die Franziskaner im Rahmen der Säkularisation aus Köln vertrieben wurden, ging das Gebäude 1808 in den Besitz der städtischen Armenverwaltung über. 1855 begann der Abbruch des Minoritenklosters mit Ausnahme der Kirche und des Kreuzganges. Heute wird die Minoritenkirche wieder durch die Franziskaner und das Kolpingwerk genutzt. Johannes Duns Scotus gilt neben Albertus Magnus und Thomas von Aquin zu den bedeutendsten Theologen und Philosophen des Mittelalters. Die Aufschrift auf seinem Sarkophag

Joseph Höntgesberg: Sarkophag von Johannes Duns Scotus, 1958 © Foto: Stadtbibliothek Köln/LiK-Archiv, 2020

Schottland hat mich geboren, England nahm mich auf, Frankreich hat mich gelehrt, Köln besitzt mich

»Sco­tia me ge­nuit, An­glia me sus­ce­pit, Gal­lia me do­cuit, Co­lo­nia me tenet.«

umreißt in knapper Form seine Lebensstationen. Im Kölner Stadtraum hat der Schotte viele Spuren hinterlassen: Joseph Höntgesberg (1922-2019), der aus Köln-Dellbrück stammende Bildhauer und Jugendfreund von Jürgen Becker, schuf 1958 den Sarkophag von Johannes Duns Scotus in St. Mariä Empfängnis. Auf einer von dem Metallbildhauer Paul Nagel (1925-2016) gestalteten Hauptportaltür der Minoritenkirche, befindet sich ein Relief von Duns Scotus; auf dem zweiten Türflügel ist Adolf Kolping abgebildet. Ein weiteres Relief von dem Scholastiker ziert die Bischofstür am Südportal des Kölner Doms. Sie wurde 1948 von dem Bildhauer Ewald Mataré (1887-1965) gestaltet. Die Bronzetür, besetzt mit sieben Relieffiguren der Heiligen und Gelehrten, die in Köln gelebt und gewirkt haben (St. Gereon, St. Ursula, Albertus Magnus, Duns Scotus, Thomas von Aquin, Petrus Canisius und Hermann Josef), zeigt die Gaben des Heiligen Geistes. Duns Scotus versinnbildlicht den Verstand.

Andreas Dilthey: Johannes Duns Scotus, Weiberner Tuff © Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Im vierten Obergeschoss auf der Westseite des Kölner Rathausturms erinnert eine von Andreas Dilthey geschaffene Figur an Duns Scotus; sie entstand im Rahmen der Neukonzeption des Skulpturenprogramms des Rathausturms in den 1980er Jahren. Eine weitere Fassung dieser Skulptur steht am Institut für Katholische Theologie in der Wilhelm-Backhaus –Straße 1a.

– GE

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Sappho in Köln

Offenbachplatz

Das Ensemble des Offenbachplatzes ist durch die Anordnung der umliegenden Gebäude gegliedert. Hier befinden sich das Opernhaus, 1957 nach Plänen des Kölner Architekten Wilhelm Riphahn (1889-1963) errichtet, der Pavillonbau der Opernterrassen (1957) auf dem »kleinen« Offenbachplatz und als drittes Element des von Riphahn konzipierten Gesamtensembles das 1962 fertiggestellte Kölner Schauspielhaus.

Antoine Bourdelle: Sappho, 1887 / 1925. Bronze, 207 x 100 x 145 cm; Stadt Köln © Foto: LiK-Archiv, Köln

Die 600 Kilogramm schwere monumentale Darstellung  der »Sappho« wurde 1963 von der Stadt Köln für die Platzanlage vor dem Schauspielhaus angekauft. Die Skulptur zeigt die griechische Dichterin Sappho, die von 630 v. Chr. bis 570 v. Chr. in Mytilene auf der Insel Lesbos lebte. Sie gilt als die bedeutendste Lyrikerin der griechischen Antike. Mit ihrem Werk, zu welchem Götterhymnen, Hochzeits- und Liebeslieder gehören, hat sie Dichter wie Horaz, Catull und Platon maßgeblich beeinflusst. Zu Beginn des 19. Jh. schrieb der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer sein Trauerspiel Sappho (UA, Burgtheater Wien 1818), das von der unerwiderten Liebe der Dichterin zu dem Jüngling Phaon handelt.

Bourdelles eindrucksvolle »Sappho« sitzt kauernd mit geöffneten Augen und zur Schulter geneigtem Kopf auf einem gestuften Sockel, in der rechten Hand hält sie die Lyra, ein Symbol für die Lied- und Dichtkunst. Das stark gefaltete Gewand umhüllt die ruhende melancholische Figur. Der Bildhauer setzte sich mehrfach mit der Sappho-Komposition auseinander. Eine erste kleine Fassung entstand 1887. Die monumentale Kölner »Sappho« stammt von 1925 und ist eine von sieben existierenden Abgüssen.

Sapphos Werke gelten heute weitgehend als verloren, die Überlieferung stützt sich auf Verweise und Zitate anderer Autoren oder auf Papyrusfragmente, so dass sich bislang nur wenige ihrer Gedichte rekonstruieren ließen. Ein sensationeller Fund gab es 2004 am Institut für Altertumskunde der Universität Köln. Durch Zufall entdeckte man auf einem Papyrus, der Teil einer ägyptischen Mumien-Kartonage war, Fragmente eines Gedichtes von Sappho, so dass sich auf dieser Grundlage der Text rekonstruieren ließe. Bei dem Gedicht handelt es sich um eine Elegie auf das Altern. Das Kölner Institut verfügt seit den 1950er Jahren über eine herausragende Papyrus-Sammlung.

– GE

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Wohnorte von Heinrich Böll

Ubierring

Ubierring 27. Bölls Wohnhaus wurde im Krieg zerstört. Aufnahme von 1998 © Viktor Böll

Heinrich Böll erlebte als Elfjähriger im Herbst 1929 die Zwangsveräußerung des Hauses in Raderberg und den Umzug in die Kölner Innenstadt. Für ihn war der Wechsel in die urbane Umgebung mit der Mietwohnung am Ubierring 27 ein Schock. Als 21jähriger schrieb er über das »herrschaftliche Mietshaus«, in dem er sich »beim Schein einer ärmlichen Lampe, im trübsinnigen Schlafzimmer« der Wohnung, »deren Zimmer aneinandergereiht an einem langen Flur lagen« den Büchern widmete und die Literatur als Form der Auseinandersetzung mit der Welt für sich entdeckte:

»Aus dem Fenster gab es nur einen Blick, in einen engen, schachtähnlichen, schmutzigen Hof. Wenn man den Himmel sehen wollte, musste man sich schon weit hinaus recken. Da las ich Dostojewski. Ich warf mittags die Schultasche in eine Ecke und verkroch mich, ob draußen Sonnenschein oder Regen war, in das finstere Zimmer.«

Heinrich Böll: Wenn ich danken müßte (1938).

Bedingt durch die zunehmende schwieriger werdende wirtschaftliche Situation, konnten die Bölls die Miete für die Wohnung nicht mehr aufbringen. 1932 erfolgte ein erneuter Umzug der Familie in die ebenfalls in der Südstadt gelegene Maternusstraße.

Markus Schäfer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Literatur

Siehe: Böll: Wenn ich danken müßte, S. 282.

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Wohnorte von Heinrich Böll

Kreuznacher Straße

Wohnhaus der Familie Böll in der Kreuznacher Straße 49 © Erbengemeinschaft Heinrich Böll

Im Juli 1922 bezog die Familie Böll eines von sechs neuerrichteten Wohnhäusern in der Siedlung »Am Rosengarten« im Stadtteil Raderberg. Das Haus wurde von einer Baugenossenschaft errichtet, zu der sich einige Familienmitglieder zusammengeschlossen hatten. Ihr Vorsitzender Theodor Böll war wie der Architekt Aloys Böll ein Onkel Heinrich Bölls. Alle anfallenden Schreinerarbeiten wurden von seinem Vater Viktor übernommen.

Heinrich Böll verbrachte in Raderberg zunächst die wohl unbeschwertesten Jahre seiner Kindheit und ersten Schulzeit. Als Klaus Wagenbach 1965 Böll dazu aufforderte, einen besonderen Ort zu porträtieren, wählte er Raderberg und widmete vor allem dem angrenzenden Vorgebirgspark eine ausführliche Beschreibung.

»Acht Jahre lang wohnten wir in dieser Straße, die von zwei ›Lagern‹ bestimmt war, dem bürgerlichen und dem sozialistischen (das waren damals noch wirkliche Gegensätze!), oder von den ›Roten‹ und den ›besseren Leuten‹. Ich habe nie, bis heute nicht begriffen, was an den besseren Leuten besser gewesen wäre oder hätte sein können.«

Heinrich Böll: Raderberg, Raderthal (1965)

Bölls sorglose Kindheit wurde jäh beendet, als in Folge der Weltwirtschaftskrise 1929 die »Rheinische Kredit-Anstalt«, für die Viktor Böll als Bürge gezeichnet hatte, liquidiert wurde. Durch die 1930 abgerufenen Bürgschaften geriet die Familie in massive wirtschaftliche Bedrängnis, sodass letztlich das Haus in der Kreuznacher Straße veräußert werden musste. »Es war ein düsteres Jahr. Totaler finanzieller Zusammenbruch, nicht gerade eine klassische ›Pleite‹, nur ein ›Vergleichsverfahren‹, ein Vorgang, den ich nicht durchschaute, es klang jedenfalls vornehmer als ›Bankerott‹, hing mit dem Zusammenbruch einer Handwerkerbank zusammen, deren Direktor dann auch, wenn ich mich recht entsinne, hinter Gitter kam. Mißbrauchtes Vertrauen, verfallene Bürgschaften, unseriöse Spekulationen. Unser Haus im Grünen mußte verkauft werden, und es blieb kein Pfennig von der Kaufsumme übrig.«

Markus Schäfer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Literatur

Siehe: Böll: Raderberg; Böll: Husten

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Joachim Rönneper: Baudriplatz

Der Kölner Schriftsteller und Herausgeber Joachim Rönneper verfasste zwischen März und Mai 2020 ein »Corona-Tagebuch«. Es handelt sich um fast täglich niedergeschriebene Aufzeichnungen, in denen die Eindrücke, Erlebnisse und Fakten einer menschheitsgeschichtlichen Katastrophe im 21. Jahrhundert, der Pandemie SARS-CoV-2, durch den Autor dokumentiert und kommentiert werden. Persönliches und Poetisches, Entsetzliches und Schreckliches stehen in Rönnepers Notaten gleichwertig nebeneinander. Der Schriftsteller wird zum Protokollanten einer Krise, die es in einer vergleichbaren Form und mit diesem gewaltigen Ausmaß bislang nicht gab. Erlebtes und Gesehenes werden von Rönneper literarisch verarbeitet. Wie der Schriftsteller die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen erlebte, schildern Textminiaturen und Zusammenstellungen von dokumentarischem Material. Rönneper wählte einen exponierten Standort, von dem aus er die Welt im Lockdown beobachten und auf sich einwirken lassen konnte: Eine unscheinbare grüne Sitzbank auf dem Baudriplatz wurde für ihn zum Mittelpunkt des Geschehens.

Joachim Rönneper, Boltensternstraße, 21.3.2020 © Peter Susewind

Heute stellte ich mich erfolglos mit einem selbst gebastelten Schild vor einen Kölner Supermarkt. (Als ich 11 Tage später auf einer öffentlichen Bank saß, kam eine junge Frau mit Kinderwagen auf mich zu und bot mir unvermittelt Klopapier an. Dankend nahm ich an: »FEUCHTES TOILETTENPAPIER. sanft & sicher. CLASSIC. 70 Tücher.« Wir wünschten uns einen schönen Tag, und sie ging weiter.)

Joachim Rönneper: »Nach Corona ist vor Corona«
© GE

Gabriele Ewenz, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Leiterin des Heinrich-Böll-Archiv und des Literatur-in-Köln Archiv (LiK)

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